Ein pommerscher Patriot wurde abberufen, ein Preuße nach Geist und Haltung, der die preußischen Tugenden vorbildlich gelebt hat. Geboren am 20. August 1927 in Stettin, hatte seine Familie schwierige Jahre zu überstehen, dazu trug die Weltwirtschaftskrise von 1929 maßgeblich bei. Der Vater hielt sich in dieser Zeit als freier Schriftsteller über Wasser. Er schrieb heimatkundliche Geschichten und historische Novellen, die er in der örtlichen Zeitung gegen ein geringes Honorar veröffentlichte.
1932 bekam er eine Anstellung als Redakteur für Lokales und Heimatkunde bei der Pommerschen Zeitung. 1937 wurde er Kulturreferent für Heimatpflege bei der Provinzialverwaltung Pommern.
Für Döring begann der Ernst des Lebens mit fünf Jahren, er wurde in die Schiller-Schule in Stettin eingeschult. Nahtlos schloss sich dann 1937 der Besuch des Schiller-Gymnasiums an, wo er im November 1944 die Reifeprüfung ablegte, mit nur 17 Jahren, eine beachtliche Leistung. Wichtig sind dabei die Rahmenbedingungen. Seit Februar 1943 war Döring Flakhelfer bei einer Geschützstellung in Stettin. So manche Nacht musste er bei Fliegeralarm dorthin eilen, um das Flak-Geschütz in Feuerbereitschaft zu bringen. Am nächsten Tag war der Schulbesuch angesagt, unabhängig davon, wie viel Schlaf er in der vorangegangenen Nacht hatte.
Es folgte der Arbeitsdienst und schließlich die Einberufung zur Wehrmacht am 15. Dezember 1944. Nach kurzer dreimonatiger Ausbildung leistete Döring ab März 1945 Kriegsdienst an der Front. Diese war im März 1945 schon auf deutschem Reichsgebiet.
Traumatisierend: Am 27. April 1945 starb neben ihm sein guter Wehrmachtskamerad Harry Lindenlaub aus Erfurt den Soldatentod. Döring hatte ihn bis zu seinem eigenen Tod nicht vergessen. Man bedenke: Beide Soldaten waren damals erst 17 Jahre alt.
An dem Tag geriet er in Gefangenschaft und kam in das von Amerikanern und Engländern eingerichtete berüchtigte Gefangenenlager Brexenheim auf den Rheinwiesen bei Bad Kreuznach. Die Bedingungen dort waren so grausam, dementsprechend hoch war die Opferzahl unter den Gefangenen.
Ende Juni 1945 Entlassung aus dem Lager nach Weimar, dort machte er eine Schriftsetzerlehre. Ein Studium an der Universität Jena wurde später abgelehnt, denn Angehörige des Adels wurden in der früheren DDR total geächtet.
Durch eine gnädige Fügung erfuhr er am 26. März 1949 von seiner bevorstehenden Zwangsverpflichtung nach Aue in den Uran-Bergbau unter Tage. Noch in derselben Nacht flüchtete Döring unter dramatischen Umständen über die Grenze in den Westen. Bald fand er eine Anstellung in einer Druckerei in Hannover, bildete sich ständig weiter. Zielstrebig legte eine Meisterprüfung sowie verschiedene weitere Prüfungen ab.
Zweifelsohne war ein Höhepunkt die Heirat mit seiner Hanna am 11. Oktober 1952, die überaus glückliche Ehe endete 1997 durch den Tod seiner Frau.
Am 1. Oktober 1953 wurde Döring Mitarbeiter der Bundesdruckerei in Bonn, wechselte 1968 mit der Bundesdruckerei nach Berlin. Es folgten Beförderungen bis zum Regierungsdirektor, innerbetrieblich besetzte er die Position des Vizepräsidenten. Offiziell wollte man ihm jedoch diese Stelle nicht bescheinigen, die Vermutung lag nah, dass es am „falschen“ Parteibuch lag. Obwohl keineswegs damit einverstanden, verbot ihm sein Dienstethos dagegen vorzugehen.
Doch dieser Vorgang gelangte vor den Petitionsausschuss des Bundestages. Danach wurde er am 8. Februar 1988 offiziell zum Vizepräsidenten der Bundesdruckerei ernannt und 1990 in den Ruhestand verabschiedet.
Auch um den Gottbergschen Familienverband hat er sich verdient gemacht, engagierte sich hier schon früh, wurde für viele Jahre der Vorsitzende des Verbandes und veranlasste, dass eine Aufnahme in den pommerschen Adelsverband erfolgte. Mit 75 Jahren legte er dieses Amt in jüngere Hände und wurde Familien-Senior und Ehrenvorsitzender, sein Rat war stets
gefragt.
Seine Lebensgeschichte, besonders die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg, ließen in ihm den Entschluss reifen, das in einem Buch festzuhalten: „Eine Jugend in Hitlers Reich“, das 2013 erschienen und auch jetzt noch erhältlich ist. Er schildert dort nicht nur seine Lebensgeschichte, sondern beleuchtete auch intensiv die Ursachen zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Er arbeitete an einer weiteren Veröffentlichung, die jedoch nicht mehr realisiert werden konnte. Am 16. November 2023 starb Döring in Hamburg.
Zum Schluss dieses Bekenntnis: Döring-Ernst von Gottberg war mir nicht nur ein liebenswerter Vetter, dem ich manch guten Rat für mein politisches Wirken zu verdanken habe. Er war mir hinsichtlich seiner preußischen Haltung Vorbild.