17.04.2026

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Folge 04-24 vom 26. Januar 2024 / Dresden / Posse um Gedenken an die Bombenopfer / Die Stadt entfernte eine Inschrift von einer Bank, leugnete dann die Tat und rechtfertigte sie schließlich

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-24 vom 26. Januar 2024

Dresden
Posse um Gedenken an die Bombenopfer
Die Stadt entfernte eine Inschrift von einer Bank, leugnete dann die Tat und rechtfertigte sie schließlich
Wolfgang Kaufmann

Seit 2009 steht auf dem Dresdner Altmarkt eine schlichte Bank aus Sandstein, die bis vor Kurzem die Inschrift trug: „Dies ist ein Ort der Mahnung, des Erinnerns und Gedenkens. Hier wurden die Leichname Tausender Opfer der Luftangriffe des 13. und 14. Februar 1945 verbrannt. Damals kehrte der Schrecken des Krieges, von Deutschland aus in alle Welt getragen, auch in unsere Stadt zurück.“ 

Am 10. Januar entfernte ein Unbekannter oder mehrere Unbekannte diese Zeilen mittels Trennschleifer. Das ging zunächst unter, weil zur gleichen Zeit Tausende Bauern in Sachsens Landeshauptstadt demonstrierten. Dann aber machten Gerüchte die Runde, das Ausradieren der Inschrift sei das Werk von Linksextremisten gewesen oder auf Anweisung von oben erfolgt.

Daraufhin gab es am 15. Januar eine Welle von Anfragen bei Polizei und Stadtverwaltung, die sich beide außerstande zeigten, Auskunft über die Hintergründe der Aktion zu erteilen, abgesehen von der Feststellung, dass man hier offenbar „professionell“ gearbeitet habe. Selbst der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) konnte dem eilends zusammengetretenen Ältestenrat des Stadtparlaments keine Informationen liefern. 

Eine Stunde später gab das Rathaus der sächsischen Landeshauptstadt dann aber eine Pressemitteilung heraus, in der es hieß: „Die Umgestaltung der Erinnerungsstätte für die Opfer der Luftangriffe des 13. und 14. Februar 1945 geschieht planmäßig.“

Die Reaktion der Stadträte hierauf war drastisch. Ausrufe wie „Peinlich!“, „Unglaublich!“ und „Das ist ein Witz!“ gehörten noch zu den freundlichsten Kommentaren. Daher fühlten sich Hilbert und die Stadtverwaltung genötigt, am 16. Januar eine ausführlichere Erklärung nachzuschieben, um die Wogen zu glätten. Der Freidemokrat streute dabei anfänglich Asche auf sein Haupt: „Die Kritik in dieser Angelegenheit ist berechtigt, da wir aus kommunikativer Sicht äußerst unglücklich agiert haben.“ Danach folgte aber sogleich eine verbale Attacke: „Wir werden es … nicht akzeptieren, dass dieser Anlass für Hetze und Verschwörungstheorien genutzt wird.“ 

Parallel hierzu teilte die Stadtverwaltung mit: „Im Rahmen des Umbaus des Altmarkts wurde bereits 2019 in Absprachen zwischen dem Amt für Stadtplanung und Mobilität, dem Amt für Kultur und Denkmalschutz, der AG 13. Februar und dem Amt für Wirtschaftsförderung entschieden, die Mahnmale zur Erinnerung umzugestalten. Ergebnis dieser Absprachen war, dass die Gravur in der Lehne der Sitzbank, die gleichzeitig Umfassung des Abgangs zur Tiefgarage ist, entfernt wird … Wiederholt war der Platz der Inschrift an einer Bank in die Kritik geraten, nicht würdig zu sein … Außerdem gab es Beschädigungen und wiederholt Graffiti.“ Als Ausgleich versprach die Stadt die Errichtung einer „Stele“ am „Erinnerungsort Altmarkt“. Dies wiederum bezeichnete der FDP-Stadtrat Holger Hase als „Skandal“, denn es sei ganz klar vereinbart worden, dass der unscheinbare mobile Aufsteller die Inschrift an der Sandsteinbank ergänzen und nicht ersetzen solle.