17.04.2026

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Folge 04-24 vom 26. Januar 2024 / Renteneintrittsalter / Arbeiten auch über 67 Jahre hinaus angedacht / ifo-Experten sagen seit Jahren den Zusammenbruch des Solidarprinzips voraus – Laut Hubertus Heil kann mehr Migration zur Lösung des Problems beitragen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-24 vom 26. Januar 2024

Renteneintrittsalter
Arbeiten auch über 67 Jahre hinaus angedacht
ifo-Experten sagen seit Jahren den Zusammenbruch des Solidarprinzips voraus – Laut Hubertus Heil kann mehr Migration zur Lösung des Problems beitragen
Peter Entinger

Um die Sicherung der Rente gibt es in Deutschland seit Jahren ein erbittertes Tauziehen. Durch die fortschreitende Alterung der deutschen Bevölkerung geraten die sozialen Sicherungssysteme zunehmend unter Druck. Die Jahrgänge der 1990er und 2000er Jahre sind im Vergleich zu der Babyboomer-Generation der 1950er und 1960er deutlich schwächer besetzt. Schrittweise wird das Rentenalter derzeit von 65 auf 67 Jahre angehoben. Doch glaubt man Experten, dann wird das nicht reichen. 

Das ifo Institut Dresden hat sich in einer Situationsanalyse dafür ausgesprochen, das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. „Einige unserer Nachbarländer haben das bereits beschlossen, so die Niederlande, Schweden und Finnland“, sagt ifo-Rentenexperte Joachim Ragnitz. In den Niederlanden werde folgende Regel angewendet: Wenn die Menschen drei Jahre länger leben, müssen sie zwei Jahre länger arbeiten und bekommen ein Jahr länger Rente. Das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen würde damit auch nach dem Jahr 2040 stabil bei rund 40 Prozent liegen und nicht auf fast 50 Prozent steigen, wie derzeit prognostiziert. 

Zu viele Empfänger bei zu wenigen Beitragszahlern

Das grundsätzliche Problem ist seit Jahren bekannt. Aufgrund der Alterung der Gesellschaft stehen bei der Rente auf Dauer zu viele Empfänger zu wenigen Beitragszahlern gegenüber. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, auch bekannt als die sogenannten Wirtschaftsweisen, kam kürzlich zu einem ähnlichen Ergebnis und empfahl in einem Gutachten, das Renteneintrittsalter über 67 Jahre hinaus anzuheben, wenn die allgemeine Lebenserwartung weiter steige. 

„In Deutschland wird der stärkste Alterungsschub in den nächsten 15 Jahren stattfinden. Daher müssen die langfristig wirkenden Reformen ergänzt werden durch Maßnahmen, die bereits in der kurzen Frist wirken. Das Sicherungsniveau festzuschreiben, wie es die Bundesregierung aktuell plant, ist keine nachhaltige Lösung, sondern verstärkt den absehbaren Anstieg der Beitragssätze noch“, teilten die Wirtschaftsweisen mit. Auch die Deutsche Rentenversicherung hatte sich in der Vergangenheit offen für eine neue Debatte über längeres Arbeiten gezeigt. Das Ifo Institut regte zudem an, die Rentensteigerungen nicht mehr wie bisher an die Lohnsteigerungen zu koppeln, sondern an die Inflationsrate, die im Regelfall niedriger sei. Damit ließe sich der Anstieg der Rentenausgaben verlangsamen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatte sich zuletzt aber wenig zugänglich für derartige Vorschläge gezeigt. „Viel relevanter als das gesetzliche Renteneintrittsalter ist, wie lange die Menschen tatsächlich arbeiten. Aktuell liegt das durchschnittliche Renteneintrittsalter bei 64,2 Jahren. Mein Ziel ist es, dass künftig mehr Menschen gut und gesund über dieses Alter hinaus arbeiten können und es flexible Übergänge in den Ruhestand gibt“, sagte der Sozialdemokrat. Eine weitere Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters über 67 hinaus werde es mit ihm nicht geben. 

In vielen Berufen, etwa in der Logistik, in der Pflege, im Handwerk und auf Baustellen, könnten Menschen mit 68, 69 oder 70 nicht mehr arbeiten. Für diese Bürger würde eine Erhöhung des Renteneintrittsalters nichts anderes bedeuten als eine Rentenkürzung. „Ich werde die Renten nicht kürzen“, sagte Heil. 

Heil gegen Rentenkürzungen

Eine Forderung, die seit Jahren oft erhoben wird, teilen die Ifo-Forscher unterdessen nicht. Die Selbstständigen und Beamten in die Beitragszahlung einzubeziehen, habe keine nachhaltigen Effekte. Im Gegenteil. Diese Lösung würde die Rentenkassen zwar kurzfristig entlasten, langfristig jedoch würden die Auszahlungen für diese Gruppen erheblich höher ausfallen, unter anderem, weil sie eine höhere Lebenserwartung hätten. 

Arbeitsminister Heil hatte in der Vergangenheit wiederholt ein Ende der Sonderbehandlung für Beamte in der Altersversorgung gefordert. Experten verwiesen jedoch auf hohe rechtliche Hürden, die dafür zu bewältigen wären. Reinhold Thiede, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung der Deutschen Rentenversicherung, verwies zudem auf ein kurzfristiges Problem: „Wenn man alle Beamten schlagartig mit einbezieht, sodass die Rentenversicherung auch für die Versorgung derer aufkommen muss, die bereits im Ruhestand sind, wäre das ein sehr schlechtes Geschäft. Die Pensionen sind im Schnitt höher als die Renten. Wir müssten also sehr viel mehr bezahlen.“ 

Heil hat übrigens noch eine Idee, wie die Zahl der Beitragszahler künftig ansteigen könne. Im Zweifel solle mehr Migration für Abhilfe sorgen. Und das erhöhte Bürgergeld sei als Anreiz für den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu sehen.