Ein Parkbesuch lohnt sich nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter. Ein Spaziergang durch knirschenden Neuschnee unter schneebedeckten Bäumen entlang ist ein besonderes Naturerlebnis. Dieses lässt sich auch in dem am östlichen Harz-Rand gelegenen Landschaftspark Degenershausen genießen. Der zwölf Hektar große Park mit seinem ungewöhnlichen weißen Obelisken und einem von Wiesen eingebetteten, zurzeit aber zugefrorenen Teich lädt Ausflügler zu allen Jahreszeiten zu einem Besuch ein. Der Garten gilt mit seinem Staudengarten und internationalen Pflanzenzüchtungen als dendrologisches Kleinod in Sachsen-Anhalt und bietet auch in der kalten Jahreszeit vielen Vogelarten, die nicht in den warmen Süden ziehen, einen idealen Lebensraum.
Nach der Inbesitznahme durch die Familie von Bodenhausen-Degener, welche die Parklandschaft entstehen ließ, und der Vernachlässigung zu DDR-Zeiten erlebte der Park nach der Übernahme durch die Gemeinde Wieserode vor 30 Jahren mit finanzieller Unterstützung durch den Bund und das Land Sachsen-Anhalt eine Art Wiederauferstehung: Er wurde zu einem touristischen Anziehungspunkt. Inzwischen zählt der Landschaftspark neben dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich zu den sogenannten Gartenträumen in Sachsen-Anhalt. Und eine preußische Geschichte hat er auch.
Um 1830 veräußerte Preußen unrentable Betriebe und Landstücke. Dazu gehörten auch viele Hektar zwischen Neuplatendorf und Burg Falkenstein im Harz. Der Braunschweiger Amtsrat Johann Christian Degener erwarb mit dem höchsten Angebot den Landbesitz als Hochzeitsgeschenk für seine Tochter Amalie und deren Ehemann, dem Kammerherrn Constantin von Bodenhausen. Degener erhob den Landbesitz bei Wieserode zum Fideikommiß, der unverkäuflich sowie unteilbar war und nur an männliche Nachkommen vererbt werden durfte. Er ließ 1835 ein Herrenhaus erbauen, Wirtschaftsgebäude sowie einen ersten kleinen Park errichten und übergab das Anwesen seiner Tochter und deren Mann. Dazu kam die Maßgabe, dass der Besitz den Namen Degenershausen tragen solle.
Das Anwesen wurde von der Familie bis zum Ersten Weltkrieg als Sommerresidenz und danach als Hauptsitz genutzt. Hans Wilke von Bodenhausen gewann in der Weimarer Zeit den damaligen Direktor von Kew Gardens in London für die vollständige Ausbildung von Degenershausen zum Englischen Garten. Dazu gehörten eine asymmetrische Gestaltung, eindrucksvolle Sichtachsen und die Einbeziehung von über 175 Arten einheimischer sowie fremder Gehölze.
Ein gefiederter Reigen
Den exotischen Gehölzanteil hatte ein Familienmitglied von seinen Weltreisen nach Degenershausen mitgebracht. Fortan wechselten dominante Einzelbäume mit Strauch- sowie Baumgruppen und Wiesen, die bis heute vielgestaltige Ausblicke ermöglichen. Die Palette der Baumarten reicht von Edelkastanien über Traubeneichen, Hemlockstannen, Sitkafichten, Nutka-Scheinzypressen sowie Kaukasusfichten bis zu japanischen Lärchen, griechischen Tannen, Exemplaren des chinesischen Rotholzes und zur seltenen Elsbeere, die mit ihren birnenförmigen Früchten ins Auge fällt.
In der Parkidylle fühlt sich von alters her eine erstaunliche Vogelvielfalt heimisch. Hier war und ist jedem Besucher besonders in den Morgenstunden im Frühjahr ein vielgestaltiges Vogelkonzert sicher. Der gefiederte Reigen umfasst außer den sonst verbreiteten Singvögeln auch Gimpel, Kernbeißer, Waldbaumläufer und Grünfink. Zum Gezwitscher gesellt sich in entsprechender Jahreszeit ein überaus differenziertes Balzritual.
Das Anwesen blieb bis zur Enteignung 1947 im Besitz der Familie. Anschließend wurde das klassizistische Herrenhaus nacheinander als Unterkunft für Heimatvertriebene, Kinderheim und regionale Zentralschule genutzt.
Nachdem auf die vorgesehene Verwendung als Heim für Parteiveteranen nach 1972 verzichtet worden war, verfiel das leere Gebäude. Der Park war schon lange verwildert. Erst am 1. April 1989 bekam die Gemeinde Wieserode nach dem Abriss des baufälligen Herrenhauses durch den Rat des Kreises Hettstedt das Nutzungsrecht über den Besitz.
Nach der deutschen Vereinigung gelangte auf Initiative der Gemeinde und vieler freiwilliger Helfer über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und mit Förderung durch staatliche Mittel der Landschaftspark wieder zu neuer Pracht. Fachkundige Anleitung kam aus Wörlitz, dem weltberühmten Gartenreich bei Dessau. Dabei wurde auch der Obelisk zu Ehren des Parkgründers erneuert.
Seit Jahren wächst die Besucherzahl in dieser gartenarchitektonischen wie auch dendrologischen Idylle, die im Harz abseits von den Fernverkehrsstraßen, Städten und Touristenhochburgen zu jeder Jahreszeit eine ungewöhnliche Naturschönheit garantiert. Wieserode mit dem Landschaftspark Degenershausen gehört jetzt als Ortsteil zu Falkenstein/Harz.
b Der Park mit Parkplatz und regelmäßigem Parkfest ist ganzjährig frei zugänglich. Führungen sind auf Anfrage möglich.
Telefon (034743) 53681. www.landschaftspark-degenershausen.de


