19.04.2026

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Folge 04-24 vom 26. Januar 2024 / Paläontologie / Die Schmalschädler von der Pfalz / Amphibien, die sich wie ein Krokodil verhielten – Der Fund einer Ursaurierart gilt als Sensation

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-24 vom 26. Januar 2024

Paläontologie
Die Schmalschädler von der Pfalz
Amphibien, die sich wie ein Krokodil verhielten – Der Fund einer Ursaurierart gilt als Sensation
Silvia Friedrich

Der Fossilienfund in einem Steinbruch am Remigiusberg zwischen Kaiserslautern und Trier ist schon eine Weile her, aber erst jetzt ist den Wissenschaftlern dessen ganze Bedeutung bewusst geworden. Zwischen 2013 und 2018 grub ein internationales Forscherteam in Zusammenarbeit mit dem Museum für Naturkunde Berlin ein Saurierfossil aus, das sich jetzt als bislang unbekannte Ursaurierart erwiesen hat.

Als Ursaurier bezeichnet man alle Vierfüßer, die in einem bestimmten Abschnitt des Erdaltertums, dem Karbon und Unterperm, gelebt haben. Der Begriff hat keine wissenschaftliche Bedeutung, sondern ist nur eine Sammelbezeichnung für die damals lebenden Vierfüßer. Ursaurier sind die Vorfahren aller Landwirbeltiere wie Säugetiere, Krokodile, aber auch der Dinosaurier. Nach ausgiebiger Erforschung der Fossilien ist nun nachgewiesen, dass es sich um eine neue Ursaurierart handelt, die nach der Kopfform, also ihrem großen flachen Schädel Schmalschädler oder auch wissenschaftlich Stenokranio boldi genannt wird. Tiere dieser Art lebten vor etwa 300 Millionen Jahren im Zeitalter des Paläozoikums.

Klimatisch und geographisch unterschied sich die Welt damals völlig von der heutigen Erscheinungsform. Denn die Kontinente waren noch nicht an ihrem heutigen Platz auf der Erdkugel. Die heutige Pfalz, in der man auf die neue Saurierart stieß, befand sich in der Nähe des Äquators. Dort lebten diese Tiere als lauernde Jäger am Rande tropischer Gewässer ähnlich wie Krokodile sowohl im Wasser als auch an Land.

Die Fossilien entdeckte man an einem Ort, der damals zu einem riesigen Gebirgstal gehörte und der am Rand eines etwa 70 Kilometer langen Sees lag. Die sogenannten Schmalschädler wurden bis zu eineinhalb Meter lang, wogen ungefähr 

70 Kilogramm, hatten viele kleine spitze Zähne und im Gaumen drei Paare nach hinten gebogenener Reißzähne. Sie dienten offenbar dazu, die glitschige Beute besser halten zu können. Außer Fischen gehörten zur Nahrung dieser furchteinflößenden Raubtiere auch andere Ursaurier, die sie ähnlich wie Reptilien als Ganzes schluckten, da die Zähne nicht zum Kauen geeignet waren.

Heute verstehen wir unter Amphibien wechselwarme Wirbeltiere, deren Körpertemperatur sich mit der Außentemperatur ändert. Dazu gehören Frösche, Kröten, Unken, Salamander und Molche. Auch die Art der entdeckten Ursaurier wird zu den Amphibien gerechnet, weil sie ebenso an Land wie im Wasser lebte und ihre Vermehrung im Wasser erfolgte. Reste von drei weiteren vierfüßigen Ursaurierarten wurden in der Pfalz ebenfalls gefunden. Mit den weithin bekannten Dinosauriern hatten die Ursaurier nichts zu tun, denn sie lebten vor den Dinos. Diese tauchten erst etwa 60 Millionen Jahre später auf.

Interessant für die Wissenschaft sind in diesem Zusammenhang auch die Steinbrüche am Bromacker in Thüringen, die als bislang bedeutendster Fundort für Landwirbeltiere aus der Zeit des Unterperms vor etwa 299 bis 270 Millionen Jahren außerhalb Nordamerikas gelten. Die Fundstellen am Remigiusberg und am Bromacker sind erdgeschichtlich zeitgleich. Während man in Thüringen nur Vierfüßer fand, die an das Leben an Land angepasst waren, konnte man in der Pfalz nun auch im Wasser und an Land lebende Amphibien entdecken.