Die Biographie zum Jubiläum
Auch 300 Jahre sind Kant und sein Werk aktuell. Er erklärt die Entstehung unseres Planetensystems, begründet eine neue Form von Metaphysik und formuliert den Kategorischen Imperativ. Kant war Wegbereiter des Kosmopolitismus und der Idee der Menschenwürde. Sein Denken hat nicht nur die Philosophie und Wissenschaft, sondern auch das deutsche Grundgesetz und die Vereinten Nationen geprägt. In seinem Buch schildert Marcus Willaschek auf verständliche und anschauliche Weise die vielen Facetten von Kants Revolution des Denkens, die den aktiven Menschen in den Mittelpunkt der Welt stellt. Er vermittelt so einen umfassenden Einblick in dessen Philosophie. In kurzen, jeweils für sich lesbaren Kapiteln stellt Willaschek die verschiedenen Themen und Aspekte von Kants Denken pointiert und verständlich vor. Seine Darstellungen sind jeweils verflochten mit biographischen und historischen Miniaturen, sodass auch ein Bild von Immanuel Kant als Mensch und Philosoph in seiner Zeit entsteht. Zugleich wird die aktuelle Relevanz – und gelegentlich auch die Problematik – des Kantschen Denkens deutlich.
Marcus Willaschek
Kant. Die Revolution des Denkens C.H. Beck 2023, gebunden, 430 Seiten mit 19 Abbildungen, ISBN: 978-3-406-80743-5, 28,- Euro
Aspekte einer Ausstellung
Ob zu Moral, Menschenwürde oder Völkerrecht – Kants Worte begleiten uns seit der Zeit der europäischen Aufklärung bis heute. Doch was prägte die Person Immanuel Kant? Wie sehr beeinflusste ihn Königsberg, die Stadt, in der er die meiste Zeit seines Lebens verbrachte? Dieses Buch lädt ein zu einer kurzweiligen Bilderreise durch Kants Gedankenwelt. Es ist zugleich die Begleitpublikation zur Ausstellung „Kant und die offenen Fragen“, in der sich die Bundeskunsthalle noch bis zum 17. März 2024 Kants Leben und Werk widmet und sich dabei von den vier berühmten Kantischen Fragen: „Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?“ leiten lässt. Ausstellung und Buch wollen dabei Kant und sein Werk einem breiten Publikum erschließen und dabei interessierte Besucher mit und ohne philosophische Vorbildung ansprechen. Gleichzeitig sollen die Aktualität der Philosophie Immanuel Kants und er selbst als „Denkzeitgenosse“ ins Bewusstsein gerückt werden.
Thomas Ebers, Antje Herzog
Immanuel Kant und die offenen Fragen Herausgegeben von der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Wienand Verlag 2023, Hardcover, 176 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen, ISBN: 978-3-86832-785-4 25 Euro
Zur Aktualität eines Klassikers
Was hat ein Philosoph der Aufklärung uns im 21. Jahrhundert noch zu sagen? Otfried Höffe hat sich zeit seines Lebens mit dem Königsberger Denker, nach dem man einer populären Anekdote zufolge die Uhr stellen konnte, auseinandergesetzt und ist sich sicher: Die Aktualität Kants liegt in seinem Kosmopolitismus. Kant war Weltbürger und überzeugter Demokrat. Seine Philosophie, die er mit einer großen Fülle und Tiefe an Argumenten dargelegt hat, wird im Gegenzug auch weltweit anerkannt, da sie kulturübergreifend verständlich und einleuchtend ist, was Kant zu einem der wichtigsten Denker unter allen Philosophen macht. Zu seinem runden Geburtstag sollen diese kantischen Gedanken aus sich selbst heraus zum Leuchten gebracht werden. Für die Lektüre benötigt man keine Vorkenntnisse in Kants Philosophie, und er selbst wird ausführlich zitiert. Der umfangreiche und klar gegliederte Text geht auf viele Themen anhand der Hauptwerke ein, denn Kant hat sich mit fast allem befasst. Dabei sind die Fragen, die er aufwirft, auch noch heute radikal und provokant, was auch für viele seiner Antworten zutrifft.
Otfried Höffe
Der Weltbürger aus Königsberg. Immanuel Kant heute Marix Verlag 2023, Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband, 400 Seiten ISBN: 978-3-7374-1221-6, 34,- Euro
War Kant ein Rassist?
Kann es sein, dass ausgerechnet Immanuel Kant, Preußens bedeutendster Philosoph und Schlüsselfigur der europäischen Aufklärung, ein Rassist war? Und sind die großen kantianischen Werte – wissenschaftliche Objektivität, moralische Autonomie, vernunftbezogene Religiosität, Freiheit und pazifistischer Kosmopolitismus – nur Masken, hinter denen sich eine eurozentrisch reduzierte Weltanschauung verbirgt, die mit globalem Herrschaftsanspruch auftritt? So zumindest stellen es „woke“ Aktivisten in jüngster Zeit wiederholt dar. Da sich der Angeklagte nicht selbst verteidigen kann, untersucht der Kant-Biograph Manfred Geier, in dieser Studie den „Fall“ des Königsberger Philosophen. Dabei will Geier Kant und dessen Werk von der Anklage gar nicht pauschal freisprechen, allerdings versucht er, heute befremdlich erscheinende Äußerungen in ihren historischen Zusammenhang zu stellen. Zudem zeichnet Geier nach, worum es in den damaligen Debatten ging, was wir heute aus ihnen lernen können, was es zu kritisieren und was es zu verteidigen gilt.
Manfred Geier
Philosophie der Rassen. Der Fall Immanuel Kant Matthes & Seitz Berlin 2022, kartoniert, Klappenbroschur, 117 Seiten ISBN-13: 978-3-7518-0538-4, 14,- Euro
Gespräche in großer Zeit
Dieses Buch ist zwar vergriffen, doch lohnt der Versuch, es antiquarisch zu erwerben. Die Autorin Ursula Pia Jauch bringt darin die beiden bekanntesten Gesprächskreise der preußischen Aufklärung – Friedrichs des Großen „Tafelrunde“ in Potsdam-Sanssouci und Kants „Tischgesellschaft“ in Königsberg – in einen gedanklichen Austausch. Dabei kritisiert sie vor allem die Runde des Königs scharf: „Friedrich ist durchaus kein Philosoph; der Machtpolitiker spielt den Philosophen: Das ist gut für die Propaganda. Für das Dahinter gelten die Regeln des strikten Gehorsams.“ Gleichwohl zeigt sich Jauch von dem intellektuellen Spiel und der Wirkung dieser philosophischen Männerrunden, deren damalige Debatten bis in die Gegenwart hineinreichen, durchaus fasziniert. Nachdenkenswert, auch wenn man die Kritik an Friedrich für überzogen halten mag, ist vor allem ihr Schlussgedanke: „Welche Dramen wären der Menschheit erspart geblieben, hätte Preußen auf den großen Königsberger und nicht auf den großen Fritz gesetzt.“
Ursula Pia Jauch
Friedrichs Tafelrunde & Kants Tischgesellschaft. Ein Versuch über Preußen zwischen Eros, Philosophie und Propaganda Matthes & Seitz Berlin 2013, 374 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, ISBN: 978-3-88221-589-2


