Im Jahr 2023 wurden in Berlin rund 82.000 neue Autos zugelassen. Im Vorjahr waren es noch 66.000, 2021 sogar nur 60.000. Die jährlichen Neuzulassungen stiegen also binnen zwei Jahren um gut ein Drittel. Allerdings ist damit lediglich das Niveau der Vor-Corona-Zeit erreicht. In Berlin gibt es nun 1,23 Millionen Autos, das sind nur acht Prozent mehr als vor zehn Jahren.
Auffällig: Elektroautos erfreuten sich 2023 mit etwa 14.700 nur geringen Zuspruchs. Das ist deswegen erstaunlich, weil diese Gefährte bislang bezuschusst wurden, bevorzugte Parkplätze erhalten und sich einer massiven positiven Berichterstattung in den Medien erfreuen. Benziner mit rund 27.700 und dazu noch einmal 8400 Neuzulassungen von dieselgetrieben Autos, liegen zusammen noch vor 30.500 Neuwagen mit Hybridantrieb. Im Stadtverkehr rollen Letztere meist lautlos elektrisch, auf Landstraße und Autobahn springt der Benzinmotor an und lädt die Batterie auf. In Brandenburg liegen Benzin- und Dieselwagen mit einem Anteil von 51,3 Prozent bei den Neuzulassungen weiter vorn. Die geringe Reichweite der E-Autos wird hier häufig als Argument pro Verbrenner genannt. Bundesweit sind vornehmlich relativ preiswerte Kleinwagen gefragt. Der Opel Corsa führt die Verkaufs-Charts bei E-Autos an.
Im Bezirk Lichtenberg ging die Zahl an Autobesitzern zuletzt allerdings zurück. Das dürfte an der Häufung von sozial schwachen Haushalten in dem Teil von Berlin liegen. Ein zentrales Kriterium für den Autobesitz ist das Einkommen. Eine höhere Arbeitslosenquote und die damit verbundene Geldknappheit der Haushalte bedeutet weniger gemeldete Autos. Unterhalb eines Haushaltseinkommens von 1500 Euro hat praktisch niemand mehr einen Pkw. Und arme Menschen haben nicht nur seltener ein Auto, sie sind insgesamt weniger mobil. Der Autobesitz ist damit ein Gradmesser über das soziale Ungleichgewicht in der Stadt.
Die Unterschiede sind gravierend: Verkehrsforscher haben ermittelt, dass es in den wohlhabendsten Kiezen doppelt so viele Autos pro Kopf wie in den ärmsten gibt. In Friedrichshain-Kreuzberg kommt noch eine extrem autofahrerfeindliche Kommunalpolitik hinzu. Diese zeigt sich in der Abschaffung von Parkplätzen und der Verengung von Straßen durch Fahrradspuren, Straßenbahnen und einem hohen Verfolgungsdruck durch die Ordnungsämter. So nehmen selbst Bürger, die sich zwar die Beschaffung eines Kleinwagens noch leisten könnten, davon Abstand, weil sie ihren Wagen nirgendwo abstellen können. Manches Projekt zur Bekämpfung des Autoverkehrs scheitert indes auch juristisch. So erzwang ein Gericht die Aufhebung einer Busspur in Steglitz-Zehlendorf auf einer Hauptverkehrsstraße, weil es dort ein zu geringes Verkehrsaufkommen mit Bussen gibt.
Auffällig ist, dass in Wohnquartieren, in denen die Grünen dominieren, auch der Autobestand geringer ist, und umgekehrt in CDU-Hochburgen der Autobestand pro Kopf sehr viel höher liegt. EU-weit steigt die Zahl der neu zugelassenen Autos, allerdings mit unterschiedlichen Vorlieben. In Osteuropa und Italien ist das Interesse an E-Autos gering. Insgesamt legte der Autoverkauf in Frankreich, Italien und Spanien um 16 bis 19 Prozent zu, in Deutschland lag der Zuwachs nicht einmal bei acht Prozent.


