Es scheint ein Zug unserer Zeit zu sein, dass falsche Entscheidungen nicht erst Jahre zurückliegen müssen, bis sie sich als Fehler offenbaren. Heute tritt die schädliche Wirkung falscher Weichenstellungen oftmals über Nacht zutage. So auch bei der gerade erst beschlossenen Reform des Einbürgerungsrechts, das die bisherigen Fristen und Voraussetzungen für den Erhalt des deutschen Passes rigoros zusammenstreicht, weshalb Kritiker der massiv erleichterten Einbürgerung vom „Verramschen“ der deutschen Staatsbürgerschaft sprechen.
Nur wenige Tage, nachdem der Bundestag die Erleichterung des Pass-Erwerbs mit den Stimmen von SPD, Grünen und FDP beschlossen hatte, drängte die Meldung in die Medien, dass eine neugegründete „Erdoğan-Partei“ bei den EU-Wahlen am 9. Juni in der Bundesrepublik antreten werde. Die Gruppierung, die unter dem Namen „Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch“ (DAVA) an den Start geht, wird von bekannten Anhängern des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Deutschland angeführt. Dessen Programm ist radikal-islamisch, extrem nationalistisch und dessen Tiraden gegen Deutschland und gegen die Integration türkischstämmiger Einwanderer sind notorisch.
Die DAVA wird sich demnach bewusst als Fremdkörper etablieren, der den Interessen eines ausländischen und im Unterschied zu früheren Epochen alles andere als deutschfreundlichen Staates dient. Da ist die beschlossene Turbo-Einbürgerung für Einwanderer ein willkommenes Geschenk für die DAVA-Strategen, dient sie doch der Verbreiterung ihrer Wählerschaft und damit ihrer Machtbasis in Deutschland.
SPD-Co-Chefin Saskia Esken appelliert nun an die Deutschtürken, dass wir doch „ein Volk“ seien und dass „Deutschland zusammengehört“. Der Satz von Harald Martenstein, dass diese Regierung den Bezug zur Realität völlig verloren habe, bestätigt sich abermals. Die Folgen dieses Verlustes für Deutschland und den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind dramatisch.


