17.04.2026

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Folge 05-24 vom 02. Februar 2024 / Johann Knauth / Deutscher Retter des Straßburger Münsters / Die Vollendung seines Rettungswerkes konnte der vor 100 Jahren verstorbene Dombaumeister nicht mehr miterleben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-24 vom 02. Februar 2024

Johann Knauth
Deutscher Retter des Straßburger Münsters
Die Vollendung seines Rettungswerkes konnte der vor 100 Jahren verstorbene Dombaumeister nicht mehr miterleben

Im preußischen Köln kam Johann Knauth am 8. November 1832 zur Welt. Der damals noch im Bau befindliche Dom der Stadt war für ihn allgegenwärtig und beeinflusste maßgeblich seine Berufswünsche. Seine Eltern ermöglichten ihm nach dem Schulabschluss eine Ausbildungsübernahme durch die Kölner Dombauhütte. Knauth kam in die Obhut von Domwerkmeister Franz Schmitz, der ebenfalls aus Köln stammte und bis 1880 die gewaltige Domdokumentation vollendete. Schmitz bildete den jungen Lehrling im gotischen Baustil aus und befähigte ihn zu eigenständigen Architekturüberlegungen. Dieses perfekte Zusammenspiel zwischen Lehrer und Schüler sollte sich später in Straßburg auf besondere Art auszahlen. 

Schmitz hatte zunächst großen Anteil am Weiterbau des Kölner Doms, sorgte nach Differenzen mit der Kölner Dombauverwaltung als freier Architekt für zahlreiche Kirchenrestaurierungen und -neubauten, fungierte zeitweilig als Diözesanbaumeister des Erzbistums Köln und wurde 1890 schließlich als Nachfolger von August Hartel zum Dombaumeister in Straßburg berufen. Damit unterstand ihm die Erhaltung des Straßburger Münsters. Das war nach den Beschädigungen im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, der Ersetzung des romanischen Vierungsturms unter Gustav Klotz und der Feststellung der Neigung des Nordturmes eine große Herausforderung. Schmitz begann eine gründliche Baudokumentation. Bevor er 1894 starb, hatte er die Weichen für Knauth gestellt, den er als seinen Meisterschüler 1891 nach Straßburg geholt hatte. Er empfahl ihn der elsässischen Verwaltung als seinen Nachfolger.

Die Behörden folgten dem Schmitz-Vorschlag. Knauth, der im Elsass Mathilde Holtzmann geheiratet hatte, wurde Dombaumeister des Straßburger Münsters und begann in Fortsetzung der Dokumentation seines Lehrers Schmitz mit der Planung zur Rettung des Münsters. Der Nordturm drohte auf das Münster zu stürzen. Knauth erarbeitete drei Varianten zur Rettung. Nach Festlegung auf einen Vorschlag gab es eine Ausschreibung und einen Firmenwettbewerb zur Realisierung. Dann begannen unter Leitung Knauths die Rettungsarbeiten. Die Fundamente des Nordturmes wurden bis auf den Rheinkies freigelegt. Dieser Kies wurde mit injiziertem Beton verfestigt. Rundherum kam ein Fundamentring mit einer zusätzlichen Ummantelung als Widerlager. Dann wurde das mittelalterliche Fundament durch ein stabiles Betonfundament ersetzt. 

Knauth war Tag und Nacht vor Ort. Die Arbeiten zogen sich über Jahre hin, waren aber erfolgreich. Die Rettungsarbeiten wurden zwar während des Ersten Weltkriegs verlangsamt, gingen aber unter Knauths Leitung weiter. Ungeachtet seiner Verdienste um das Münster wurde Knauth ob seiner deutschen Herkunft nach dem Ende des Krieges und der Übernahme Elsass-Lothringens durch Frankreich ausgewiesen. Nun ohne ihn, aber nach seinen Vorgaben gingen unter französischer Regie die Rettungsarbeiten weiter.  

Den erfolgreichen Abschluss der Rettung im Jahr 1926 erlebte Knauth nicht mehr. Er starb bereits am 8. Februar 1924 in seinem Rückzugsort Gengenbach, einer Kleinstadt im vorderen Kinzigtal des Schwarzwaldes, die heute mit ihrer malerischen Altstadt zum Ortenaukreis gehört. Doch auch dort war die historische Leistung des Dombaumeisters Knauth als Retter des Straßburger Münsters lange unbekannt. So ist er bis heute nicht in die Reihe bedeutender Persönlichkeiten Gengenbachs aufgenommen worden. Außer seinem Lebenswerk mit der Erhaltung des Straßburger Münsters hinterließ Knauth mit seiner Ehefrau Mathilde zwei Kinder.M.S.