Einprägsam und lebendig
„Quicklebendig tummeln sie sich noch heute in unserer Alltagssprache, die Sprichwörter, Redensarten und geflügelten Worte aus den Märchen vergangener Zeiten.“, sagt Rolf-Bernhard Essig, Autor des Buches „Ach, wie gut, dass niemand weiß …“.
Bei vielen Sprachbildern, derer wir uns noch heute bedienen, ahnt man nicht, dass sie aus den von den Brüdern Grimm gesammelten Texten oder aus Wilhelm Hauffs, Ludwig Bechsteins oder Hans Christian Andersens erzählten Geschichten stammen. Auch die viel älteren „Märchen aus Tausend und einer Nacht“ hinterließen ihre Spuren in unserer Alltagskommunikation. Redewendungen wie „die Luft ist rein“, „mit Haut und Haaren“ oder „Tisch und Bett miteinander teilen“ stammen aus Märchen, sind aber zum Teil auch noch älteren Datums.
Dass sie in unserer Sprache überlebt haben, liegt an der Faszination dieser einprägsamen Bilder. „Märchen wurden und werden geliebt von Menschen aller gesellschaftlichen Schichten“, sagt der Autor.
Leicht lesbar, führt das kleine Werk alle sprachhistorisch Interessierten zu aufschlussreichen Erkenntnissen. Silvia Friedrich
Rolf-Bernhard Essig: „Ach, wie gut, dass niemand weiß ... Sprichwörtliche Redensarten aus dem Märchenreich“, Duden Verlag, Berlin 2023, Taschenbuch, 12 Euro
Ferien beim Verlierer-Vater
Die Erziehungsberechtigten der 15-jährigen Kim wollen sie, nachdem sie ihren jüngeren Bruder mutwillig verletzt hat, damit bestrafen, dass sie ihre Sommerferien nicht mit ihnen in Florida, sondern bei ihrem Vater in der Nähe von Duisburg verbringen soll. Kim ist wütend und entsetzt, als sie die schäbige Lagerhalle ihres Erzeugers sieht. Sofort will sie wieder nach Hause. Ihr Vater entpuppt sich als sehr viel netter als erwartet, aber leider ist er im Gegensatz zu ihrem Stiefvater ein Verlierer, der Markisenstoffe aus alten DDR-Beständen an den Mann bringen will. Kim freundet sich mit einem Nachbarsjungen an, und die Ferien entwickeln sich zu etwas anderem als das sie als reiche Göre gewohnt ist. Sie beschließt, zu bleiben und ihrem Vater mit den guten Tipps ihres tüchtigen Stiefvaters unter die Arme zu greifen.
Jan Weiler hat mit „Der Markisenmann“ eine einfühlsame Geschichte aus der Sicht einer 15-Jährigen geschrieben. Weiler ist bekannt für seine realistischen und unterhaltsamen Romane, die immer wieder Bestseller werden. Manche wurden auch verfilmt wie „Maria, ihm schmeckt’s nicht“.
Angela Selke
Jan Weiler : „Der Markisenmann“, Heyne Verlag, München 2023, gebunden, 333 Seiten, 22 Euro


