25.01.2026

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Folge 06-24 vom 09. Februar 2024 / Islamischer Terrorismus / Neue Ungereimtheiten im Fall Anis Amri / Weiterhin fehlen wichtige Informationen – Viele Fragen sind noch offen – Manches ist mysteriös

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-24 vom 09. Februar 2024

Islamischer Terrorismus
Neue Ungereimtheiten im Fall Anis Amri
Weiterhin fehlen wichtige Informationen – Viele Fragen sind noch offen – Manches ist mysteriös
Wolfgang Kaufmann

Der Journalist, Politikwissenschaftler und Buchautor Thomas Moser verfolgt seit Jahren die nach wie vor nicht abgeschlossenen Ermittlungen zum Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz vom 19. Dezember 2016 mit 13 Toten. Dabei stieß er bereits auf zahlreiche Ungereimtheiten, zu denen nun weitere hinzugekommen sind.

Der mutmaßliche radikal-islamische Attentäter Anis Amri wurde vier Tage nach dem Vorfall bei einer Personenkontrolle in Sesto San Giovanni nördlich von Mailand von den italienischen Streifenpolizisten Luca Scatà und Christian Movio erschossen. Zuvor hatte der Tunesier das Feuer auf die Beamten eröffnet. Dazu verwendete er eine veraltete Sportpistole des Typs EP 552 der Marke ERMA, die auch beim Mord an dem polnischen Fahrer des beim Anschlag verwendeten Scania-Sattelzuges zum Einsatz gekommen sein soll.

Bei der Untersuchung dieser Waffe fanden die italienischen Ermittler auf deren Außenseite DNA-Spuren von Amri, dem Lkw-Fahrer Łukasz Urban, Amris Mitbewohner Kamel A. und einer vierten, unbekannten Person. Anschließend verblieb die Pistole zusammen mit Amris Kleidung und etlichen weiteren Gegenständen aus seinem Besitz in Italien. Eine Rückholung der Asservate nach Deutschland erfolgte erst nach der letzten Sitzung des Bundestagsuntersuchungsausschusses zu dem Attentat im März 2021.

Mauert da jemand?

Am 24. Juni 2021 übergaben Beamte des Bundeskriminalamtes die Waffe an das Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Kiel. Dort bemühten sich die Forensiker Claas Buschmann und Cornelius Courts darum, eventuell übersehene DNA-Reste im Lauf der Pistole zu finden. Das Ergebnis ihrer Untersuchung lautete jedoch: „Es ließen sich auf keiner der inneren Oberflächen des Asservats Rückschleuderspuren oder anderes zellhaltiges Material nachweisen und charakterisieren. Ein in Anbetracht der Sauberkeit der Waffe plausibler Grund dafür kann in einer gründlichen und vollständigen Reinigung der Waffe liegen.“

Ebenso mysteriös ist, dass angeblich immer noch keine Erkenntnisse darüber vorliegen, woher Amri die Pistole hatte. Doch damit nicht genug: Auf die Frage Mosers nach den anderen Beweisstücken antwortete die Bundesanwaltschaft im Juli 2022, deren „Auswertung … dauert an“. Erst im April 2023 teilte eine Sprecherin der Behörde dann mit, „dass die Untersuchung der aus Italien übersandten Asservate inzwischen vorläufig abgeschlossen wurde“. Dem folgte allerdings der Satz: „Ich bitte um Verständnis, dass wir uns angesichts der insgesamt fortdauernden Ermittlungen zu Einzelheiten nicht äußern.“ Und dabei blieb es laut Moser bis heute.

Somit fehlen also weiterhin wichtige Informationen: Was erbrachte der Abgleich der Fasern an Amris Kleidung mit den Faserspuren aus dem Inneren des Tatfahrzeuges? Und was ist mit den beiden Zugfahrkarten von Turin nach Mailand, die der Tunesier bei sich trug? Wiesen die Fahrscheine Fingerabdrücke oder DNA-Spuren einer zweiten Person auf? Oder fanden bislang noch gar keine diesbezüglichen Untersuchungen statt?