Die Berlinale ist ein wichtiges internationales Filmfestival, eines der ganz großen Ereignisse in der deutschen Hauptstadt. Wie alle Hochkultur in Deutschland wird sie massiv subventioniert aus dem Haushalt der deutschen Steuerzahler, verwaltet über die frei gewählten Abgeordneten des Deutschen Bundestages und des Berliner Abgeordnetenhauses. Es ist deshalb eine Selbstverständlichkeit, dass Abgeordnete, die diese umfangreichen Mittel aus dem Steuersäckel bereitstellen und im Sinne der von ihnen vertretenen Wählergruppen über die richtige Verteilung und Gewichtung verhandeln, von der Festivalleitung über Kontingente zur prestigeträchtigen Eröffnung eingeladen werden.
Mitglieder der zuständigen Ausschüsse konnten sich in der Vergangenheit Karten der für sie interessanten Filme über das Verbindungsbüro holen – Anwesenheit von Mitgliedern des Bundestages oder des Abgeordnetenhauses bei den Filmen wurde als Wertschätzung und Ansporn gesehen. In der langen und prestigeträchtigen Tradition hat es meines Wissens noch nie eine Gesinnungsprüfung für gewählte Abgeordnete gegeben. Das soll sich nun ändern. Die Leitung der Berlinale erklärt auf ihrer Website Andersdenkende, aber demokratisch gewählte Abgeordnete pauschal für unerwünscht.
Gleichzeitig behauptet sie von sich, ein „einzigartiger Ort der künstlerischen Auseinandersetzung“ zu sein. Da ist es ein schreiender Widerspruch, Andersdenkende auszuladen. Welche Auseinandersetzung ist schon führbar, wenn alle derselben Meinung sein müssen? Das Festival hat alle möglichen Aufgaben, aber sich als Gesinnungspolizei aufzuspielen, gehört nicht dazu. Die Leitung des politischsten aller Filmfestivals hat anscheinend komplett den Verstand und den Anstand verloren.

