In ihrem Koalitionsvertrag hatten die Ampelparteien vereinbart, eine nationale Ernährungsstrategie zu entwickeln. Die liegt nun endlich vor – und zwar in Form einer vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft herausgebrachten 68 Seiten starken Broschüre mit dem Titel „Gutes Essen für Deutschland“. In ihr sind rund 90 „geplante und bestehende ernährungspolitische Maßnahmen“ aufgelistet.
Bei der Vorstellung sagte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne): „Leckeres, gesundes und nachhaltiges Essen darf nicht vom Geldbeutel abhängen oder davon, aus welcher Familie man kommt. Mit der Ernährungsstrategie der Bundesregierung schaffen wir Angebote, die allen gutes Essen ermöglichen.“ Danach fügte er hinzu: „Entscheiden muss sich dann jeder selbst, da hat niemand jemandem etwas vorzuschreiben.“ Dabei ist das Papier ein Musterbeispiel für Nudging, wie der Versuch, das Verhalten der Bürger zu manipulieren, auf Neudeutsch genannt wird.
So heißt es schon auf der ersten Seite: „Gute Ernährung … ist gleichzeitig auch gut für den Planeten.“ Deshalb müsse „jede staatliche Initiative für gesündere Ernährung … auch die Bereitschaft der Menschen unterstützen, ihre individuellen Ernährungsgewohnheiten zu hinterfragen.“ Danach wird es tendenziell apokalyptisch: „Das globale Ernährungssystem ist gemäß dem Weltklimarat grob geschätzt für 21–37 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich – und für etwa ein Fünftel der Treibhausgasemissionen in Deutschland. Das Ernährungssystem ist mitverursachend für das Artensterben und weltweit verantwortlich für 80 Prozent der Landnutzungsänderung. Das derzeitige Ernährungssystem stößt an planetare Belastungsgrenzen.“
Schuld daran trage vor allem „die Produktion tierischer Lebensmittel“. Deshalb sei „eine nachhaltigere und pflanzenbetonte Ernährung … ein wichtiger Aspekt für die Transformation zu einem ressourcen- und klimaschonenden sowie nachhaltigen Wirtschaften“. Bei diesem indirekten Appell wollten es die Verfasser des Strategiepapiers aber nicht belassen. Deshalb fügten sie an: „Eine unausgewogene Ernährung erhöht – gerade in Kombination mit fehlender Bewegung – das Risiko für Übergewicht und Adipositas … Dies hat physische und z. T. psychische Folgen für den Einzelnen und führt zu Folgekosten für die Gesellschaft.“ Zugleich sorge „ein hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch“ auch für mehr Fälle von „Dickdarmkrebs, Brustkrebs oder Diabetes mellitus“.
Anschließend wagten die Ernährungsstrategen aus dem Hause Özdemir noch einen Blick in die Zukunft: „Bis 2050 ist es für alle Menschen in Deutschland möglich und einfach, sich gut zu ernähren. Unser Ernährungssystem ist so verändert, dass sich alle gesund und nachhaltig ernähren können – unabhängig von Herkunft, Bildung und Einkommen.“ Und dann heißt es neuerlich: Garant hierfür sei in erster Linie „eine stärker pflanzenbetonte Ernährung mit möglichst ökologisch erzeugten, saisonal-regionalen Lebensmitteln“.

