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Folge 06-24 vom 09. Februar 2024 / Ausstellung / Spiel, Satz, Leidenschaft / Wiesbaden zeigt, wie sich zwei Künstlerehepaare im „Gemischten Doppel“ gegenseitig befruchten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-24 vom 09. Februar 2024

Ausstellung
Spiel, Satz, Leidenschaft
Wiesbaden zeigt, wie sich zwei Künstlerehepaare im „Gemischten Doppel“ gegenseitig befruchten
Claus-M. Wolfschlag

Zwei Künstlerehepaaren der vorletzten Jahrhundertwende widmet sich die Schau „Gemischtes Doppel“ im Wiesbadener Landesmuseum. Marg und Oskar Moll sowie Mathilde und Hans Purrmann gelten als Vertreter der Kunstavantgarde nach 1900. Entwicklungen vom Impressionismus zum Expressionismus und Kubismus können an diesen vier Protagonisten exemplarisch betrachtet werden.

Der 1875 im schlesischen Brieg geborene Oskar Moll studierte in München und Berlin, unter anderem bei dem ostpreußischen Maler Lovis Corinth. In Paris lernte er viele zeitgenössische Künstler kennen, darunter den Fauvisten Henri Matisse. 1906 heiratete er die Offizierstochter und Künstlerin Marg Moll, die zunehmend in Richtung Abstraktion tendierte. Gemeinsam mit dem Maler Hans Purrmann waren beide 1908 an der Gründung der Kunstschule Académie Matisse beteiligt. Oskar Moll wurde 1918 Kunstprofessor in Breslau und ging später nach Düsseldorf.

Das Ehepaar Moll experimentierte deutlich im Rahmen der damaligen avantgardistischen Strömungen. Marg schuf abstrahierende, teils vom Art déco beeinflusste Skulpturen, Oskar entwickelte kubistische Gemälde, die wie ein Vorgriff auf die Kunst der Nachkriegszeit erscheinen. In der NS-Zeit mussten beide folgerichtig darunter leiden, dass ihre Werke als „entartet“ bloßgestellt wurden. Oskar starb 1947 in Berlin, Marg 1977 in München.

Aus heutiger Sicht deutlich traditioneller zeigen sich die von Impressionismus und gemäßigtem Expressionismus geprägten Bilder Hans Purrmanns und seiner 1912 geehelichten Frau Mathilde. Es sind zumeist lichtdurchflutete Landschaftsszenerien. Dennoch musste auch Hans Purrmann nach der NS-Machtergreifung mit der Ächtung als „entartet“ und der Beschlagnahmung seiner Werke aus Museen kämpfen. 

Das Paar ging nach Italien und wurde von einem Verein mit der ehrenamtlichen Leitung des Künstlerhauses „Villa Romana“ in Florenz betraut. Dort trafen sich viele Künstler und Intellektuelle, die im nationalsozialistischen Machtbereich in Schwierigkeiten geraten waren. Mathilde Purrmann starb 1943, was ihren Ehemann in eine Schaffenskrise stürzte. Er folgte seiner Frau 23 Jahre später nach.

Die Wiesbadener Schau zeigt jeweils 25 Werke der vier Künstler und stellt deren Schaffen in einen breiten kunsthistorischen Kontext.

„Gemischtes Doppel. Die Molls und die Purrmanns: Zwei Künstlerpaare der Moderne“, bis 18. Februar im Landesmuseum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, geöffnet täglich außer montags, Eintritt 12 Euro. www.museum-wiesbaden.de