Als sich abzeichnete, dass Spanien den Krieg gegen die Vereinigten Staaten und damit auch sein überseeisches Kolonialreich verlieren würde, beschloss das Deutsche Reich, diese Gebiete nicht widerstandslos den USA zu überlassen, sondern zu versuchen, möglichst im Einvernehmen mit beiden Kriegsparteien etwas davon abzubekommen. Berlin streckte deshalb nach beiden Seiten die Fühler aus – und das durchaus erfolgreich.
Am 9. Juli 1898 informierte Unterstaatssekretär Oswald von Richthofen den US-Botschafter in Berlin, Andrew Dickson White, über Deutschlands Interesse an Samoa, den Karolinen und Stützpunkten auf den Philippinen. Die USA zeigten sich konzessionsbereit. Daraufhin signalisierte der deutsche Botschafter in Spanien, Joseph Maria von Radowitz, dem spanischen Außenminister Interesse an den Karolineninseln Kusaie, Ponape und Yap. Auch Spanien zeigte sich entgegenkommend. Am 10. September 1898 stellte Spanien Deutschland in einem bilateralen Geheimabkommen Verkaufsbereitschaft nach dem Abschluss eines Friedensabkommens mit den USA in Aussicht.
Nach der Unterzeichnung des Pariser Friedens am 10. Dezember 1898 signalisierte das Reich den USA guten Willen, indem es auf seine Ansprüche auf Wake verzichtete. Am 17. Januar 1899 nahm die Besatzung eines US-Kanonenbootes das Atoll für ihr Land in Besitz, das zwischen San Francisco und der Metropole der im Pariser Frieden zugesprochenen Philippinen, Manila, eine Kabelstation auf eigenem Territorium errichten wollte.
Auch Belgien versuchte mitzumischen. Dessen König Leopold II. machte Spanien den Vorschlag, dass es einer belgischen Handelsgesellschaft seine Südseeinseln nur verpachtet, statt sie dem Reich gleich zu verkaufen. Nach entsprechendem deutschen Druck zog der König des Kleinstaates jedoch seinen Vorschlag zurück.
Schließlich zeigte auch noch Japan Interesse, aber bevor es zu einer Konkretisierung kommen konnte, schlugen die Deutschen zu – und nahmen dafür auch einen relativ hohen Preis in Kauf. In einem Abkommen vom 12. Februar 1899 übernahm das Reich von Spanien die Karolinen, die nördlichen Marianen und Palau. Dafür zahlte es dem bisherigen Besitzer 25 Millionen Peseten. Das waren umgerechnet knapp 17 Millionen Mark. Der Goldwert einer Goldmark liegt heute bei mehr als zwanzig Euro.
Am 19. und 21. Juni 1899 stimmten erst die spanische Volksvertretung und dann der Reichstag zu. Freisinnige Volkspartei und SPD verweigerten im deutschen Parlament ihre Zustimmung. Während bei den Sozialdemokraten grundsätzliche Überlegungen eine Rolle spielten, waren aus Sicht der Linksliberalen die Inseln zu teuer und zu unwirtschaftlich. Die Linke konnte mit ihren Reichstagsstimmen den Kauf jedoch nicht verhindern. Verwaltungstechnisch wurde der Neuerwerb Deutsch-Neuguinea zugeschlagen.
Für das absteigende Spanien besiegelte der Verkauf die Aufgabe Spanisch-Ostindiens. Für das aufstrebende Deutschland war der Erwerb Teil des Aufbaus eines Kolonialreiches, das niemals die angestrebte Größe erreichte.

