Die Hilflosigkeit gegenüber den neuen Verhältnissen in Europa treibt manche Politiker zu immer waghalsigeren Aussagen. So forderte Roderich Kiesewetter (CDU) dieser Tage, dass der Ukrainekrieg „nach Russland getragen“ werden müsse, und sein Kollege Michael Roth (SPD) erklärte: „Wir müssen den russischen Imperialismus stoppen – notfalls auch ohne USA.“
Abgesehen davon, dass Deutschland auch zwei Jahre nach der vom Kanzler verkündeten „Zeitenwende“ nicht ansatzweise in der Lage wäre, einen Krieg zu führen, wird an Äußerungen wie diesen sichtbar, wie sehr die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik ihren inneren Kompass verloren hat. Schwergewichte der alten Bonner Republik wie Franz Josef Strauß, Helmut Schmidt und Helmut Kohl waren ohne Zweifel prowestlich orientiert – aber sie wären nie auf die Idee gekommen, in den Krisen, die es auch zu ihren Zeiten mit den Russen gab, um einen Krieg zu betteln.
Im Gegenteil. Nachdem – zum Beispiel – 1979 die Sowjetunion in Afghanistan einmarschiert war, wurden zwar die Afghanen massiv mit westlichen Waffen ausgerüstet – doch wurden die Kontakte nach Moskau ausdrücklich nicht abgebrochen. Und mit dem NATO-Doppelbeschluss wurden sowohl die Stärkung der eigenen atomaren Fähigkeiten als auch Verhandlungen mit dem Gegner über eine gegenseitige Rüstungskontrolle angestrebt.
Was auch immer Kiesewetter, Roth & Co. also umtreibt – in der Tradition westlicher Verteidigungspolitik stehen sie mit ihren Forderungen nicht. neh

