25.01.2026

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Folge 07-24 vom 16. Februar 2024 / Deutschland / Die Auftragsbücher werden leerer / Die OECD hat das prognostizierte Wirtschaftswachstum auf 0,3 Prozent halbiert

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-24 vom 16. Februar 2024

Deutschland
Die Auftragsbücher werden leerer
Die OECD hat das prognostizierte Wirtschaftswachstum auf 0,3 Prozent halbiert
Peter Entinger

Zum Jahresende gab es doch noch einmal überraschend erfreuliche Zahlen. Großbestellungen unter anderem bei Flugzeugen sorgten für den größten Auftragszuwachs in den vergangenen Jahren. Doch eine große Trendwende ist das nicht. Nach einer offiziellen Erhebung des Statistischen Bundesamtes legte das Neugeschäft um knapp neun Prozent im Vergleich zum Vormonat zu. „Insbesondere wurden außergewöhnlich viele Flugzeuge bestellt“, hieß es vom Statistischen Bundesamt. Im Bereich des sonstigen Fahrzeugbaus – dazu zählen neben den Flugzeugen auch Schiffe und Züge – waren die Auftragseingänge im Dezember mit einem Zuwachs von knapp 111 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Vormonat. Ohne diese Effekte wären die Bestellungen um 2,2 Prozent gefallen. 

Dafür, dass gerade zum Jahresende so viele Flugzeuge geordert wurden, gibt es eine Reihe von Gründen. Maßgeblich ist die Schwäche des US-amerikanischen Herstellers Boeing, was zu einer Stärkung des Konkurrenten Airbus geführt hat. Der kommt nach eigenen Angaben derzeit kaum mit der Produktion hinterher. Der sonstige Anstieg in dem Bereich könnte auch auf ein verstärktes Rüstungsgeschäft zurückzuführen sein, glauben Experten. 

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sieht daher keinen Anlass zur Euphorie. „Der Anstieg im Dezember ist leider noch keine Trendwende“, sagte DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen: „Die Industrie spürt in ihren Auftragsbüchern sowohl die schwache Konjunktur im Inland als auch ein nach wie vor schwieriges weltwirtschaftliches Umfeld.“ Hinzu kämen strukturelle Sorgen wie hohe Energiekosten und Bürokratielasten. „Das sind keine guten Aussichten für das laufende Jahr“, lautet Zenzens bitteres Fazit. 

Zuletzt hatten auch die deutschen Maschinenbauer ihre Umsatzprognose für das Jahr 2024 gesenkt. Ebenso kamen aus der Automobilbranche schlechte Signale. 

Das Münchner Ifo-Institut sieht im Auftragsmangel in diesen wichtigen Bereichen der Industrie eine massive Belastung für die deutsche Konjunktur. Im Januar hätten 37 Prozent der Industriefirmen von fehlenden Aufträgen berichtet, teilte das Institut in seiner monatlichen Erhebung mit. Ein Jahr zuvor habe der Anteil der betroffenen Unternehmen lediglich bei rund 20 Prozent gelegen. Zuletzt sei auch bei den Dienstleistern der Anteil der Firmen gestiegen, die über ausbleibende Aufträge klagten. „Das sind deutliche Alarmsignale. Der Auftragsmangel hat sich im vergangenen Jahr verschärft. Kaum eine Branche bleibt davon verschont“, erklärte das Institut. 

Diese Einschätzung deckt sich mit jüngsten Erkenntnissen der OECD. Die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung halbierte ihre Prognose für den Anstieg des Bruttoinlandsproduktes in der vergangenen Woche auf 0,3 Prozent. Den anderen großen Euroländern Frankreich, Italien und Spanien wird unterdessen ein besseres Abschneiden prognostiziert. Als einen Grund nannte die OECD, dass die energieintensive Industrie ein größeres Gewicht in der deutschen Wirtschaft habe als in anderen Ländern der Eurozone.