25.01.2026

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Folge 07-24 vom 16. Februar 2024 / Kommentar / Vom Drama zum Skandal

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-24 vom 16. Februar 2024

Kommentar
Vom Drama zum Skandal
Robert Mühlbauer

Dramatische Entwicklungen haben in den vergangenen Wochen an der Reputation der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“) gekratzt, das linksliberale Leitmedium hat einen Imageschaden erlitten. Das linke Milieu versucht indes, den Spieß umzudrehen und die Zeitung als Opfer darzustellen.

Der aktuelle Skandal muss wohl in einem größeren Kontext gesehen werden. Die „Süddeutsche Zeitung“, die sich als moralisch hochstehendes Blatt inszeniert, geriet ins Zwielicht durch die Plagiatsvorwürfe gegen ihre stellvertretende Chefredakteurin, noch mehr aber durch die Art, wie sie darauf reagierte. Sie startete nämlich eine „Maulwurf“-Suche in der eigenen Redaktion. Im Dezember hatte das Medienbranchenblatt „Medieninsider“ beispielhaft mehrere Artikel der Vizechefin Alexandra Föderl-Schmid aufgedeckt, in denen diese offensichtlich abgeschrieben, also plagiiert hat. Die „SZ“-Führung tat die Vorwürfe als „rechte Kampagne“ ab.

Noch schlimmer: Sie griff zu einer drastischen Maßnahme und ließ sämtliche Telefon- und E-Mail-Verbindungen der Redakteure auf Kontakte mit „Medieninsider“ überprüfen. „Süddeutsche Zeitung bespitzelt eigene Redaktion“ titelte der „Spiegel“. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland schrieb sogar von „Spionage“ gegen die eigene Redaktion. Chefredakteur Wolfang Krach wetterte, es gebe einen „Maulwurf“, weil Interna an den „Medieninsider“ durchgestochen wurden. Die Organisation Reporter ohne Grenzen warnte, so werde der Quellenschutz gefährdet.

Dass unangenehme Dinge über die Zeitung nach außen transportiert wurden, wertete die „SZ“-Chefredaktion als „Angriff auf die Pressefreiheit“. Das hat mehr als ein Geschmäckle: Die sich als investigativ verstehende Zeitung nimmt gerne Hinweise von „Whistleblowern“ an, reagiert aber selbst äußerst dünnhäutig und mit einer Stasi-artigen Durchsuchungsaktion, wenn aus dem eigenen Haus ein Hinweis auf unsaubere Methoden gegeben wird. Die „Neue Zürcher Zeitung“ wertete das als „Verrat“ am eigenen Journalismus.

Förderl-Schmid zog sich als Vizechefredakteurin vorerst zurück, nachdem ein Gutachten des österreichischen Plagiatsforschers Stefan Weber ihr schwerwiegende Plagiate in ihrer Dissertation vorgehalten hatte. Die „SZ“ berief eine Kommission zur Prüfung der Vorwürfe. Darauf begann das Drama: Föderl-Schmid wurde als vermisst gemeldet, die Polizei sprach von einem angeblichen „Abschiedsbrief“. Suchtrupps durchkämmten den bayerisch-österreichischen Grenzfluss Inn. Erst am nächsten Tag fand man die Journalistin unterkühlt am Ufer unter einer Brücke. Eine menschliche Tragödie.

Nun ist das linksliberale Medienmilieu seit Tagen dabei, eine Legende zu stricken, wonach die „SZ“-Vizechefin von Kritikern „gehetzt“ worden sei. Die Vorwürfe richten sich gegen das Portal „Nius“ des ehemaligen „Bild“-Chefredakteurs Julian Reichelt. Dieses hat das Gutachten bei Weber in Auftrag gegeben und mehrfach zugespitzt über die Vorwürfe berichtet. Im Internet spuckten linke Kommentatoren Gift und Galle gegen Reichelt und die angebliche „Nius“-Hetzjagd. Er ist ohnehin ein Lieblingsfeind des grün-linken Milieus.

Dass die „SZ“ wegen einer Plagiatsaffäre so in Turbulenzen kommt, entbehrt nicht einer bitteren Ironie. Denn noch vor zwei Monaten hatte sie selbst eine Kampagne gegen AfD-Chefin Alice Weidel wegen angeblicher Plagiate in deren Doktorarbeit lostreten wollen. In großer und aggressiver Aufmachung berichtete sie über ein von anonymen Geldgebern finanziertes „Gutachten“. Weder die Autoren noch die Hintermänner wollten ihre Namen öffentlich nennen. Diese Kampagne brach schnell zusammen. Die Universität Bayreuth lehnte es ab, eine Hauptprüfung einzuleiten, da die Vorwürfe zu dünn waren.

Es mutet verlogen an, wenn sich das linksliberale Milieu über eine „Hetzkampagne“ beschwert. Dass die „SZ“ selbst dem Kampagnenjournalismus „gegen Rechts“ nicht abgeneigt ist, zeigte auch ihr Vorgehen in der „Flugblatt-Affäre“ gegen den bayerischen Wirtschaftsminister und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger. Die Reihe der „SZ“-Kampagnen mit teils zutreffenden, teils konstruierten Vorwürfen gegen Persönlichkeiten meist im Spektrum rechts der Mitte ist lang. Die Zeitung, die Kritiker spöttisch „Alpen-Prawda“ nennen, boxt gerne mit härtesten Bandagen. Sie ist groß im Austeilen. Wenn sich das Scheinwerferlicht kritischer Fragen einmal auf sie selbst richtet, inszeniert sie sich als das Opfer.