Beim Super Bowl, dem Endspiel der US-Football-Liga in Las Vegas am vergangenen Sonntag, kam es exakt so, wie manche Trumpisten es verschwörerisch vorhergesagt hatten: Taylor Swift wird gewinnen. Die Sängerin stand im Mittelpunkt dieses riesigen Sportereignisses, weil sie mit einem Spieler der siegreichen Mannschaft aus Kansas City liiert ist – und weil alle Demokraten fest damit rechnen, dass sie, wie schon vor der Wahl von 2020, auch bei den nächsten Präsidentschaftswahlen wieder Joe Biden unterstützen wird.
Die Pop-Ikone ist für viele Biden-Anhänger so etwas wie der letzte Strohhalm, an dem man sich verzweifelt klammert, um einen erneuten Wahlsieg von Donald Trump zu verhindern. Tatsächlich gehört Swift mit 281 Millionen Instagram-Followern zu den einflussreichsten Personen der Musikgeschichte. Ihre zumeist jungen Fans bezeichnen sich selbst als „Swifties“, und in einer Umfrage gaben 18 Prozent der befragten Wähler an, den von Swift unterstützten Kandidaten zu wählen. Diese Jungwählerschaft könnte – so die Hoffnung der Trump-Gegner – zugunsten des in den USA unbeliebten, weil senilen Biden das Zünglein an der Waage bedeuten.
In seiner Not himmelt also auch das Lager des 81-jährigen Biden eine 34-jährige Sängerin aus Pennsylvania an, die als Phänomen des Mittelmaßes gilt. Hierzulande hat kaum jemand, der über 30 ist, ihr bekanntestes Lied „Shake it Off“ gehört. Trotzdem hat sie mit ihrem mediokren Liederbrei so ziemlich alle Rekorde gebrochen: erste Sängerin, die allein mit ihrer Musik zur Milliardärin wurde, die meisten Nummer-Eins-Alben in den Charts, mit „Eras“ die kommerziell erfolgreichste Tournee der Welt, und kürzlich erhielt sie bei der Grammy-Verleihung als erste Künstlerin zum vierten Mal den Preis fürs beste Album des Jahres.
Welcher Politiker will sich nicht in einem solchen Ruhm sonnen? Und so wurde spekuliert, dass Swifts medienwirksame Beziehung zu einem Football-Spieler politisch arrangiert sein könnte wie auch der Sieg des Kansas-City-Teams beim Super Bowl. Deren Sieg ist Swifts Sieg ist Bidens Sieg, so die Formel, die aber am Ende für Trump aufgehen könnte.

