In der Bundesrepublik Deutschland leben etwa drei Millionen Menschen türkischer Herkunft, von denen ein reichliches Drittel hierzulande wahlberechtigt ist. Bislang profitierten davon vor allem SPD, Grüne und Linkspartei. So erhielt die SPD lange Zeit regelmäßig um die 60 Prozent der Stimmen der Türkischstämmigen mit deutschem Pass.
Dann kam es bei der Bundestagswahl von 2017 zu einer Wende: Nun musste sich die SPD mit rund 35 Prozent begnügen, während plötzlich jeder fünfte Deutsch-Türke CDU wählte, was zuvor nur jeder zwanzigste getan hatte. Doch das war nicht die einzige Veränderung. Ab 2014 engagierten sich auch türkischstämmige Deutsche in der neu gegründeten AfD. Dazu gehörten Aslan Basibüyük, der für die AfD in den Kreistag des Lahn-Rhein-Kreises einzog, und Tuncay Deniz, welcher bei der Europawahl vom Mai 2014 für die AfD kandidierte.
Dieser Trend hat in jüngerer Zeit dermaßen zugenommen, dass nun sogar große Blätter wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, der „Focus“ und die „Welt“ darüber berichten. Gleichzeitig gibt es im Internet immer mehr Videos mit Titeln wie „Türken unterstützen AfD-Politik“ oder Diskussionsrunden zu der Frage „Warum wollen so viele Türken die AfD wählen?“ Darin treten die Motive der Immigranten für die Hinwendung zu der als „rechtsextrem“ gescholtenen Partei überaus deutlich zutage.
Etliche Deutsch-Türken halten die Altparteien für verlogen. Sie buhlten zwar um die Stimmen der Türkischstämmigen, betrieben aber eine türkeifeindliche Politik. Dazu kommt das immer stärker werdende Gefühl, dass die Ampelparteien genauso wenig wie die CDU/CSU in der Lage seien, die Alltagsprobleme der Menschen zu lösen.
Dabei beklagen die türkischstämmigen Immigranten vor allem die ausufernde Kriminalität und die ungebremste Masseneinwanderung von Menschen aus aller Welt, die sofort eine Rundumversorgung erhalten, für die auch die hier lebenden und arbeitenden Türkischstämmigen aufkommen müssten. Sie fragen sich daher wütend: „Was ist das für ein komisches System?“, und hoffen, dass die AfD „aufräumt“, wenn sie an die Macht gelangt.
Andere empfinden Ärger über die Duldung religiöser Fanatiker. Immerhin sei man doch nach Deutschland gekommen, um solchen Leuten zu entfliehen. Außerdem wird sehr stark kritisiert, dass die Ampel keinen Sinn für die traditionelle Familie habe. Und immer mehr Deutsch-Türken ängstigt auch die wirtschaftliche Talfahrt, welche sie als zwangsläufige Folge der ideologischen Verblendung und Inkompetenz der derzeit Regierenden betrachten.
Die AfD reagierte auf das Ganze im Sommer vorigen Jahres mit der Gründung des parteinahen Vereins „Mit Migrationshintergrund für Deutschland“, wohingegen der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoğlu, die Deutsch-Türken mit Blick auf die künftigen Wahlen warnt, ein Kreuz bei der AfD zu setzen: „Ihr wählt den Untergang unserer offenen und demokratischen Gesellschaft.“ W.K.

