Ein Verehrer Hitchcocks
Es gibt nicht viele Bücher, die rundherum Spaß bereiten. Jens Wawrczecks „How to Hitchcock“ gehört dazu, auch wenn es auf knapp 250 äußerst vergnüglich zu lesenden Seiten vornehmlich um Mord und Totschlag geht, um mordende Muttersöhnchen, außer Rand und Band geratene Killer-Vögel und um Ehen, die selten glücklich verlaufen.
Wawrczeck ist als Schauspieler und Hörbuchinterpret tätig. Bekanntheit erzielte er mit der Hörspielserie „Die drei Fragezeichen“. Vor allem aber hat sich der 1963 in Dänemark geborene Autor seit seiner frühen Jugend in Hamburg mit den Filmen des Regie-Altmeisters Alfred Hitchcock beschäftigt. Das Geheimnis des Machers von Meisterwerken wie „Marnie“ und „Die Vögel“ bringt er wie folgt auf den Punkt: „Hitchcock überrascht. Hitchcock irritiert. Hitchcock bringt uns zum Lachen. Und er jagt uns Angst ein.“
Wawrczeck widmet die Kapitel seines uneingeschränkt zu empfehlenden Buchs den Müttern, den Ehen und den Schurken in Hitchcocks Filmen. Er erzählt, dass von den über 50 Filmen, die der Meister zwischen 1925 und 1976 drehte, rund 40 auf literarischen Vorlagen beruhten. Allerdings ging der Regisseur meist sehr frei mit den jeweiligen Kurzgeschichten und Romanen um – meist nicht zum Nachteil der filmischen Meisterwerke.
Wer erinnert sich nicht an die schreckenerregende Duschszene in „Psycho“, in der die schöne Janet Leigh dem vom genialen Anthony Perkins verkörperten Norman Bates zum Opfer fällt, dem berühmtesten Muttersöhnchen und Serienmörder der Filmgeschichte? „Mutter! Wie kommt das Blut hierher?“ ist das entsprechende Kapitel überschrieben, und jeder weiß sofort Bescheid. Mütter, so der Autor, sind „bei Hitchcock tonangebend“. Durchschnittlich ist keine von ihnen.
Die Väter, zum Beispiel in „Zwei Fremde im Zug“ nach dem Thriller von Patricia Highsmith, sind meist schwache Randfiguren. „Psycho entlässt uns ohne den geringsten Funken Hoffnung. Und die Wurzel allen Übels ist das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn“, so der Autor. Aber es gibt neben der ermordeten Mrs. Bates, die von ihrem Sohn auch nach ihrem Tod Besitz ergriffen hat, auch die gute und starke Mutter. Doris Day, die amerikanische Sauberfrau der 1950er Jahre, spielt sie in „Der Mann, der zuviel wusste“ von 1956 brillant. Day kämpft wie eine Löwin um ihr entführtes Kind, während der von James Stewart dargestellte Ehemann und Vater eher schwächelt.
Und dann erst die wunderschönen Blondinen! Grace Kelly, Tippi Hedren oder auch Kim Novak. Überirdisch schöne und auch kühle Erscheinungen, die es mit dem Meisterregisseur nicht immer leicht hatten.
Immer wieder streut Wawrczeck beiläufig ein, wann und unter welchen Umständen er die Filme das erste Mal gesehen hat, zum Beispiel bei Salzstangen im heimischen Wohnzimmer, in der Winterhuder Dachgeschosswohnung der Schwester oder im Hamburger Programmkino Abaton.
Ansgar Lange
Jens Wawrczeck: „How to Hitchcock. Meine Reise durch das Hitchcock-Universum“, dtv, München 2023, Taschenbuch, 13 Euro

