19.04.2026

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Folge 08-24 vom 23. Februar 2024 / Digitalwährung In 120 Staaten arbeiten Regierungen und Notenbanken mit Nachdruck an der Einführung digitaler Zentralbankwährungen – Der digitale Euro wird voraussichtlich zwischen 2026 und 2028 eingeführt / Wenn aus Geld „Big Brother“ wird / Die Erfahrungen aus Ländern wie Schweden, wo kaum noch Bargeld im Umlauf ist, zeigen die Gefahren

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 08-24 vom 23. Februar 2024

Digitalwährung In 120 Staaten arbeiten Regierungen und Notenbanken mit Nachdruck an der Einführung digitaler Zentralbankwährungen – Der digitale Euro wird voraussichtlich zwischen 2026 und 2028 eingeführt
Wenn aus Geld „Big Brother“ wird
Die Erfahrungen aus Ländern wie Schweden, wo kaum noch Bargeld im Umlauf ist, zeigen die Gefahren
Michael Brückner

Das schwierige Jahr 2023 befand sich auf der Zielgeraden, als Bundesbankvorstand Burkhard Balz in einer Rede an der Hannoveraner Börse noch einmal richtig Zuversicht verbreitete „Wir haben mit dem digitalen Euro die Möglichkeit, nicht nur Zeugen, sondern Mitgestalter der Zukunft zu sein. Diese Chance sollten wir nutzen“, so der fast schon schwärmerische Appell des Bundesbankers. Die Frage ist freilich, ob die Bürger diese angebliche Chance wirklich als solche begreifen. Denn der digitale Euro ist ein CBDC. Dieses Akronym steht für Central Bank Digital Currency, also digitales Zentralbankgeld, wie es derzeit in zahlreichen Staaten entweder schon eingeführt wurde oder aber – wie in Europa – vorbereitet wird. In der öffentlichen Wahrnehmung spielen CBDCs bislang kaum eine Rolle. Und wenn, dann halten viele diese Digitalwährung für eine Art Bitcoin, also eine Kryptowährung, die von den Notenbanken emittiert wird. Dabei sind die CBDCs alles andere als „krypto“.

Kontrolle und Überwachung

Als der Bitcoin 2009 auf den Markt kam und ihm in den Jahren darauf viele andere Kryptowährungen folgten, glaubten die meisten Notenbanker und Finanzpolitiker, dies sei kaum mehr als ein Spielzeug für Digital-Nerds. Doch bald setzte sich die Erkenntnis durch: Die Kryptowährungen waren gekommen, um zu bleiben. Und wenn man dem Produkt eines lästigen Konkurrenten nicht erfolgreich Paroli bieten kann, ahmt man es einfach nach. Nichts anderes schlug Ben Broadbent, ein hochrangiger Beamter der Bank of England, in einem Vortrag an der London School of Economic im Jahr 2016 vor. Seine Ausführungen elektrisierten die Zuhörer: Digitalwährungen, herausgegeben von den Notenbanken, dazu noch programmierbar, das ist nicht nur ein potentielles staatliches Kontroll- und Überwachungsinstrument, sondern auch ein weiterer Schritt zur Diskriminierung oder Abschaffung des Bargelds. 

Notenbanker wie Burkhard Balz verbreiten zwar unermüdlich, das Bargeld in Form von Scheinen und Münzen bleibe in jedem Fall erhalten, auch nach Einführung des digitalen Euros. Aber den kritischen Bürger wird das mit Blick auf Schweden kaum beruhigen. Denn in diesem EU-Land, wo man selbst den Besuch einer öffentlichen Bedürfnisanstalt nur mit Karte zahlen kann, ist zwar noch Bargeld im Umlauf. Aber die Verbraucher können immer weniger damit anfangen. Cash wird diskriminiert und ist in den meisten Restaurants und Läden unerwünscht. 

CBDCs seien eine weitere Zahlungsalternative – eben digitales Bargeld, dafür aber weniger volatil als der Bitcoin und die anderen Kryptowährungen, wird uns erzählt. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen CBDCs und den nicht-staatlichen Kryptos: Die führenden Digitalwährungen wie der Bitcoin basieren auf der dezentralen Blockchain-Technologie. Das heißt, alle über diese Blockchain getätigten finanziellen Transaktionen sind dezentral auf unterschiedlichen Rechnern parallel gespeichert. Durch Verschlüsselungstechniken wird den Nutzern weitgehende Anonymität gewährt. Anders verhält es sich bei den CBDCs, die über eine zentrale Blockchain direkt von den betreffenden Notenbanken gesteuert werden. 

Ein anonymer Zahlungsvorgang, wie beim Einsatz von Bargeld, ist dann nicht mehr möglich. Zudem sind digitale Zen-tralbankwährungen programmierbar. Die Möglichkeiten, die eine solche Währung bietet, muten geradezu dystopisch an. Zum Beispiel könnte zur Reduzierung des CO₂-Ausstoßes den Menschen ein gewisses CO₂-Kontingent zugewiesen werden. Ist es aufgebraucht, wären etwa keine Flugbuchungen mit der digitalen Zentralbankwährung mehr zahlbar. 

Gefährliche Achillesfersen

Doch Gefahren gehen letztlich von allen Digitalwährungen aus, zumal wenn sie das Bargeld ersetzen oder zumindest zurückdrängen sollen. Sogar die schwedische Nationalbank warnte jüngst vor einer kompletten Bargeld-Abschaffung. Gerade in Krisenzeiten brauche man Bargeld. Dazu komme die Gefahr, dass elek-tronisches Geld durch Stromausfälle, Hackerangriffe und Computer-Zusammenbrüche gefährdet sei. Auch der österreichische Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann, der in seiner Funktion dem EZB-Rat angehört, hat seinen Landsleuten empfohlen, weiter auf Bargeld zu setzen. Er warnte vor einem großflächigen Stromausfall. Der Blackout werde kommen, die Frage sei nur wann, sagte Holzmann in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Kurier“.

Der schwedische Sicherheitsexperte und ehemalige Interpol-Chef Björn Eriksson schließlich skizzierte ein Szenario, das zu denken geben müsste: „Sagen wir, Putin würde Schweden überfallen. Alles, was er machen muss, wäre unser digitales Zahlungssystem abzuschalten“, sagte Eriksson vor einiger Zeit dem britischen „Guardian“. Klassische Kryptos wie der Bitcoin sind dabei ebenso gefährdet wie digitale Zentralbankwährungen. Cash ist also nicht nur fesch, sondern auch sicher.