In über 120 Staaten arbeiten Regierungen und Notenbanken an digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs). Der digitale Euro wird voraussichtlich zwischen 2026 und 2028 in den Euro-Staaten eingeführt. Anfang November vergangenen Jahres hat der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) eine auf zwei Jahre angelegte Vorbereitungsphase beschlossen.
In anderen Ländern sind CBDCs schon Realität, auch wenn die Menschen dort alles andere als glücklich mit diesem digitalen Geld sind. Die chinesische Führung begann bereits vor Jahren damit, die Bevölkerung zu einer weitgehend bargeldlosen Gesellschaft umzuerziehen, doch dies erwies sich bei der Einführung des digitalen Yuan als Akzeptanzproblem. Warum sollen wir, so fragten sich viele Chinesen, mit digitaler Zentralbankwährung bezahlen, wenn es günstigere Anbieter wie WeChat Pay oder Alipay gibt? Also wurden die Menschen zu ihrem „Glück“ gezwungen: Im Frühjahr 2023 erhielten die Beamten in der 1,5-Millionen-Einwohnerstadt Changshu ihre Bezüge in digitalen Yuan. Im öffentlichen Nahverkehr, in Apotheken, Supermärkten und bei der Begleichung von Wasser- und Gasrechnungen wurde eine Zahlung in digitaler Zentralbankwährung verlangt.
In Nigeria ist die eNaira zunächst krachend gescheitert. Als erster Staat in Afrika wollte Nigeria eine CBDC einführen. Im Oktober 2021 war es soweit. Die eNaira wurde als ein wichtiger Schritt zur Inklusion der Menschen in das Finanzsystem gefeiert. Allein – die Bürger sahen das offenkundig ganz anders. Nur 0,5 Prozent der in Nigeria lebenden Menschen nutzen die eNaira. Die meisten schätzen die Anonymität des Bargelds. Doch das will die Regierung in der Hauptstadt Abuja ihnen abgewöhnen. In den letzten Monaten wurde das Bargeld verknappt. Außerdem gelten für Bargeldabhebungen geringe Limits und hohe Gebühren.
Auf den Bahamas ging im Jahr 2020 mit dem Sand Dollar die erste digitale Zentralbankwährung an den Start. Doch der Stolz der Verantwortlichen währte nicht lange. Durch den Zusammenbruch der Kryptowährungsbörse FTX geriet auch die digitale Zentralbankwährung in eine prekäre Situation. Die Bürger des kleinen Landes begrüßten die digitale Währung nicht eben enthusiastisch. Den Sündenbock für diesen Fehlstart hatten die Verantwortlichen schnell ausgemacht – wieder einmal Corona.
Auf wenig Gegenliebe stieß die digitale Zentralbankwährung (JAM-DEX) auf Jamaica, die im Juni 2022 als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt wurde. In den Monaten danach luden nur etwa drei Prozent der Bevölkerung die erforderliche App herunter. Seither wird auch dort von Regierungsseite mehr oder minder sanfter Druck auf die Menschen ausgeübt, die ungeliebte Digitalwährung zu akzeptieren. M.B.


