Nach dem Motto „Wir können Krisen nicht vermeiden, aber wir versuchen, sie rechtzeitig umzuwandeln“ tritt Italiens Regierungschefin Georgia Meloni dem Phänomen der wachsenden Jugendgewalt entgegen. Sogenannte Babygangs bilden in Italien eine Form der Jugendkriminalität, die seit der Pandemie stark zugenommen hat.
Denn seit dem auch in Italien verhängten Corona-Lockdown, der zu erheblichen Schäden für die psychische Gesundheit von vielen Erwachsenen und Minderjährigen führte, treiben diese Kinder-Banden vor allem in Mailand in den vornehmen und den touristischen Vierteln ihr Unwesen. Sie lassen das Unsicherheitsgefühl der Einwohner rasant steigen.
Die in diesen kriminellen Gruppen organisierten Jugendlichen, die oft nicht älter als elf oder zwölf Jahre sind, können äußerst gewalttätig sein. Die Bandbreite reicht von Diebstahl bis hin zu körperlichen und sexuellen Übergriffen. Markanteste Merkmale dieser Gruppen sind die Kontrolle von Territorien, die Wiederholung der begangenen Straftaten und die Verbreitung ihrer Taten über die sozialen Netzwerke.
Für Minderjährige, die in Familien in sehr prekären und bildungsarmen Verhältnissen oder ohne berufliche Perspektiven aufgewachsen sind, bedeutet der Einstieg in eine solche Babygang einen klassischen Werdegang als spätere
Berufskriminelle.
Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, hat die Regierung Meloni am 7. September vergangenen Jahres das Caivano-Dekret verabschiedet, das sich auf einen besonders schlimmen Fall von Jugendkriminalität bezieht, der die Öffentlichkeit schockierte: die mehrfache Vergewaltigung von zwei kleinen Cousinen im Alter von zehn und zwölf Jahren durch eine Gruppe von Minderjährigen in dem Ort Caivano in Kampanien.
Das gegen das Phänomen der Kinder-Banden und der Schulabbrecher gerichtete Dekret zielt außerdem darauf ab, härtere Strafen für Drogenhandel und andere Verbrechen einzuführen, wenn die Täter in flagranti erwischt werden. Zu den Maßnahmen, die ergriffen werden können, gehören auch Sanktionen für die Eltern, die für sie auch zu Gefängnisstrafen führen können, wenn sie nachgewiesenermaßen ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.
Inspiration aus dem Ausland
Außerdem wird das Strafmaß für das unerlaubte Mitführen von Waffen von drei auf vier Jahre erhöht, während das Strafmaß für den Handel und den Besitz von Drogen von mindestens einem Jahr auf höchstens fünf Jahre verändert wird. In Fällen mafiöser Verbindungen oder Vereinigungen zum Zwecke des Drogenhandels kann das Gericht für Minderjährige auf Antrag des Staatsanwalts den Eltern das Sorgerecht entziehen.
Der Begriff „Babygang“ wird in Italien von Polizei und Medien gemeinhin für Minderjährige verwendet, die mafiösen Strukturen angehören. Dabei lassen Letztere sich von kriminellen Clans aus dem Ausland inspirieren wie den Maras und Pandillas in Lateinamerika, nigerianischen Bruderschaften oder Gruppen aus den französischen Banlieues. Sie setzten sich zumeist je zur Hälfte aus Italienern und aus Zuwanderern zusammen. Die meisten dieser Gruppen bestehen aus weniger als zehn Jugendlichen.
Häufig kommen sie spontan zusammen, um unter anderem aus Langeweile oder Armut hypergewalttätig zu handeln. Sie sind emotionale Analphabeten und haben keinerlei Empathie, handeln impulsiv und oft unter Drogeneinfluss. Die Täter suchen sich ein Opfer auf der Straße aus, verprügeln es und rauben es aus.
Smartphones, Uhren, Geld, Sneaker-Schuhe – also alles, was einen wirtschaftlichen, aber auch symbolischen Wert haben könnte, rauben sie. Sie handeln nicht nur aus Armut, sondern wollen ihre Stärke und Überlegenheit demonstrieren – auch ganz perfide medial über die sozialen Netzwerke.


