Das Berliner Missionswerk feiert in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen. Am 29. Februar 1824 gründeten engagierte Bürger Berlins um den Juraprofessor Moritz August von Hollweg und Pastor Johannes Jaenicke die „Gesellschaft zur Beförderung der evangelischen Missionen unter den Heiden“ mit dem Ziel, bestehende Missionsinstitute zu unterstützen. Ein eigenes Missionsseminar richtete die neue Gesellschaft 1829 ein.
Trotz anfänglicher Skepsis seitens staatlicher und kirchlicher Behörden gelang es der Missionsgesellschaft, Kontakte zu anderen Missionswerken herzustellen und ihre Arbeit voranzutreiben. 1834 entsandte die Missionsgesellschaft ihre ersten fünf Missionare nach Südafrika. Sie gründeten südwestlich von Bloemfontain das Lager „Bethanien“. Die Bethanien-Mission existiert dort bis heute. Zu ihr gehört ein Sozialwohnungsbauprogramm.
Die Ausbreitung der Missionsgesellschaft nach Natal, Transvaal und Swasiland blieb nicht konfliktfrei. Insbesondere die Buren wehrten sich gegen die Missionierung der Schwarzafrikaner. Und auch im Gründerkomitee gab es Konflikte. So scherte Mitgründer Johannes Goßner aus und errichtete Kinderheime. Aus einem davon ist das heutige Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) in Berlin-Lichtenberg hervorgegangen.
Einen bedeutenden Schub erhielt die Missionsgesellschaft unter der Leitung Hermann Wangemanns, der 1881 eine Missionsordnung verfasste. Partiell wurde die Missionierung auch auf die deutschen Schutzgebiete ausgeweitet. So befinden sich noch heute Missionsstationen und -krankenhäuser in Tansania am Nyassa-See.
Schwere Rückschläge erlitt die Missionsarbeit im Zweiten Burenkrieg von 1899 bis 1902 und während des Boxeraufstands von 1899 bis 1901. Allein in China wurden 136 protestantische Missionare und mehr als 32.000 chinesische Christen, darunter 2000 Protestanten, getötet. Der Erste Weltkrieg brachte die Missionsarbeit fast vollständig zum Erliegen. Mit dem aufkommenden Nationalsozialismus geriet auch die Missionsarbeit in eine Krise. Die Mission arbeitete im Rahmen des Möglichen in der Bekennenden Kirche Martin Niemöllers weiter. Im Zweiten Weltkrieg brach der Kontakt zwischen Berlin und den Missionen im Ausland ab, die dortigen Missionare wurden weitgehend interniert.
Während im Westen die Missionsgesellschaft die Arbeit nach dem Krieg wieder aufnehmen konnte, war die Arbeit der Mission in der DDR zahlreichen Einschränkungen unterworfen. Im Jahr 1974 fusionierte die Missionsgesellschaft, die zuletzt in Goßners Missionshaus residierte, mit weiteren Missionsvereinen zum heutigen Berliner Missionswerk.
Dieses ist inzwischen ein wichtiges Zentrum für ökumenische Zusammenarbeit und engagiert sich weltweit in Entwicklungsprojekten, im Freiwilligenprogramm und im theologischen Austausch. Das Jubiläum wird mit verschiedenen Veranstaltungen und Projekten gefeiert. Mit seinem Engagement für die gelebte Ökumene, den interreligiösen Dialog sowie den Bereich Migration und Integration trägt das Missionswerk nach eigenen Angaben noch heute dazu bei, die Botschaft des Evangeliums weltweit zu verbreiten.


