02.05.2026

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Folge 9-24 vom 01. März 2024 / Nettelbeckplatz wird umbenannt / Der Held des Freiheitskampfes gegen Napoleon soll aus dem Berliner Stadtbild gelöscht werden

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 9-24 vom 01. März 2024

Nettelbeckplatz wird umbenannt
Der Held des Freiheitskampfes gegen Napoleon soll aus dem Berliner Stadtbild gelöscht werden

Nettelbeck soll weg. Bereits 2021 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte den Nettelbeckplatz im Ortsteil Wedding umzubenennen. Auch die CDU stimmte dem zu, nachdem ihrem Ansinnen Rechnung getragen wurde, Information über die Umbenennungsgründe und die Namensfindung im Zusammenspiel mit zahlreichen Akteuren zu publizieren. 

Zwar haben Grüne, Linkspartei und SPD im Bezirk eine Zweidrittelmehrheit, sie wollten die CDU aber dennoch mit ins Boot holen. Schwierigkeiten und Widerstände der Anwohner sind nicht zu erwarten, weil alle Wohnhäuser den auf den Platz zulaufenden Straßen zugeordnet sind. Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger von den Grünen: „Die Dekolonisierung des öffentlichen Raumes wird in Berlin-Mitte konsequent weiterverfolgt.“ 

Der Nettelbeckplatz erhielt 1884 seinen Namen. Dies geschah zu einer Zeit, als Deutschland in Afrika seine ersten Kolonien erwarb. Nettelbeck hatte zu Lebzeiten Friedrichs des Großen und dessen Nachfolgern vergeblich den Erwerb von Kolonien vorgeschlagen. Bismarck stimmte als Reichskanzler dem Kolonialbesitz widerwillig aus innenpolitischen Gründen zu: „Ihre Karte von Afrika ist ja sehr schön, aber meine Karte von Afrika liegt in Europa. Hier liegt Russland, und hier liegt Frankreich, und wir sind in der Mitte, das ist meine Karte von Afrika“, wischte der Kanzler koloniale Sehnsüchte zunächst vom Tisch. 

Remlinger wirft Nettelbeck dessen rund hundert Jahre zuvor gemachte Denkschriften vor. Tatsächlich wurde der Platz aber wegen dessen Verdiensten bei der Verteidigung Kolbergs gegen das napoleonische Invasionsheer im Jahre 1807 benannt. Nettelbeck war damals Angehöriger des Zehnmännerrates, einer gewählten Ständevertretung mit Stadtverwaltungsfunktionen. Bei der Verteidigung Kolbergs zusammen mit Neidhardt von Gneisenau wurde die Idee eines Volksheeres, also einer Wehrpflicht etabliert. Nettelbeck steht also vornehmlich für Demokratie und Bürgerrechte. 

„Personen aus dem Widerstand“

Bezirksbürgermeisterin Remlinger hat nun eine öffentliche Ausschreibung für die Findung eines neuen Namens für den Platz veranlasst. Aus der Bürgerschaft kamen Vorschläge wie: Conchita-Wurst-Platz, Fischstäbchenplatz oder Hundi-Wau-Wau-Platz. Im weiteren Prozedere soll ein Beratungsgremium aus Mitgliedern der Bezirksverordnetenversammlung und des Bezirksamts sowie „zivilgesellschaftlicher Organisationen“, die sich für die Umbenennung des Nettelbeckplatzes eingesetzt hatten, über den neuen Namen entscheiden. Als Entscheidungsträger soll auch Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund (ISD) mitwirken. Der Verein mit seinen rund 250 Mitgliedern beschäftigt zehn Mitarbeiter. 

Della hat in mehreren Publikationen der deutschen Polizei sowie der deutschen Gesellschaft insgesamt Rassismus vorgeworfen. Er hat auch schon klare Vorstellungen über die künftige Namensgebung des Nettelbeckplatzes. Statt an Verbrecher oder Profiteure zu erinnern, sollte der Platz künftig „Personen aus dem Widerstand“ gewidmet sein. „Es ist ein gutes Fallbeispiel, wie wir mit Geschichte umgehen sollten.“  F.B.