In Berlin sinkt die Zahl der Schankwirtschaften. Im Mai 2021 waren es noch 3302, im Juni 2023 nur noch 2363. Mit dem Traditionslokal Loretta am Wannsee verschwindet dieser Tage eine weitere. Das Gasthaus mit den 1200 Plätzen im Garten schließt. Was die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung nicht „plattgemacht“ haben, erledigen nun die explodierenden Energie- und Lebensmittelkosten. Miete sowie erhebliche Personalprobleme bewirken ein Übriges.
Erst im vergangenen Sommer erhöhte das Loretta – wie viele andere Lokale – die Preise. Pächter Steffen Kirchner: „Der Preisanstieg war unvermeidlich. Es sind nicht nur die Brauereien mit den höheren Kosten. Gläser, Geschirr, Personal, alles ist teurer als in den vergangenen Jahren.“ Viele Restaurants gäben die Kostenerhöhungen teilweise an die Kunden weiter, aber irgendwann stoße man dabei auch an Grenzen. Die Folge: weniger Kunden.
Die zum Jahreswechsel von sieben auf 19 Prozent angehobene Mehrwertsteuer treibt den Kahlschlag weiter voran. Die „Kult-Kindl-Klause“ in Neukölln, „Zur kleinen Markthalle“ in Kreuzberg und das „Mommsen-Eck“ in Charlottenburg, „Höher’s Eck“ in Prenzlauer Berg sind schon dicht oder schließen demnächst. Deutschland hat europaweit die höchsten Steuersätze in der Gastronomie. In Luxemburg sind es drei, in Ungarn fünf, in Polen acht, in den Niederlanden, Litauen, Rumänien, Zypern und Bulgarien neun sowie in Italien und Frankreich zehn Prozent. An der Corona-Politik gingen bereits 30.000 Gastronomiebetriebe bundesweit ein, nun wird mit 13.000 weiteren gerechnet. Thomas Lengfelder, Geschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbandes (Dehoga) Berlin, resümiert bitter: „Alles, was wir prophezeit haben, ist eingetreten.“

