Im Jahre 2005 haben die Vereinten Nationen und das Weltwirtschaftsforum (WEF) die Initiative ESG (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) aus der Taufe gehoben. Ihr Ziel ist es, die Beteiligung an Unternehmen zu nutzen, um „ideellen“ Anliegen wie dem Klimaschutz oder der „Nachhaltigkeit“ Gewicht zu verleihen. Kritiker haben das Ganze beizeiten als „Milliardärssozialismus“ und Nötigung der Gesellschaft zwecks Durchsetzung einer vermeintlich progressiven Agenda bezeichnet. Und tatsächlich sagte der Chef des involvierten weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, der Aktienbestände von 18.000 Unternehmen im Wert von mehreren Billionen US-Dollar kontrolliert: „Man muss Verhalten erzwingen, und bei BlackRock erzwingen wir Verhalten.“
Dabei agieren die großen ESG-Zusammenschlüsse wie Net-Zero Banking Alliance, Net-Zero Insurance Alliance, Net-Zero Asset Managers Initiative und Climate Action 100+, die der Reduzierung des CO₂-Ausstoßes Priorität vor der Rendite ihrer Anleger einräumen wollen, im Grunde illegal. Denn die Kartellgesetze verbieten den Unternehmen derartige Absprachen. Darüber hinaus besteht der Verdacht des Verstoßes gegen Treuhandverpflichtungen. Deswegen begannen republikanisch regierte US-Bundesstaaten und deren Generalstaatsanwälte gegen die ESG-Initiativen vorzugehen. Und das zeitigte nun erste Folgen.
Zunächst verabschiedete sich Vanguard, der zweitgrößte globale Vermögensverwalter nach BlackRock, aus der Net-Zero Asset Managers Initiative, so wie dann auch etliche andere Konzerne. Anschließend machte die Swiss Re einen Rückzieher und verließ die von ihr mitbegründete Net-Zero Insurance Alliance. Dem ist nun der ganz große Paukenschlag gefolgt: BlackRock und der Vermögensverwalter State Street sowie die Investmentbank JPMorgan Chase verkündeten den Austritt aus der Initiative Climate Action 100+. Diese will Unternehmen zu Maßnahmen gegen den Klimawandel verpflichten und vereinte bislang rund 700 Investoren mit einem verwalteten Gesamtvermögen in Höhe von 68 Billionen Dollar, wobei der Abgang der drei Schwergewichte zu einem abrupten Schwund um 14 Billionen geführt hat.
Als Auslöser für den aufsehenerregenden Rückzug werden neben dem zunehmenden politischen Widerstand gegen die ESG-Verbände auch der kürzliche Beschluss der Climate Action 100+ vermutet, in Zukunft das Abstimmungsverhalten ihrer Mitglieder auf Aktionärsversammlungen öffentlich zu machen, um die kompromisslose Verfolgung der selbst gesetzten Klimaschutzziele zu dokumentieren.
Die Reaktion auf den Schritt von BlackRock, State Street und JPMorgan Chase war gespalten. Demokratische Politiker wie der oberste New Yorker Rechnungsprüfer Bradford Lander beschuldigten die drei Unternehmen, „den Klimaleugnern“ nachzugeben, während die republikanischen Generalstaatsanwälte von West Virginia und Iowa, Patrick Morrisey und Brenna Bird, von einer „richtigen Entscheidung“ sprachen.

