02.05.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Folge 9-24 vom 01. März 2024 / Kommentar / Ob Habeck weint?

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 9-24 vom 01. März 2024

Kommentar
Ob Habeck weint?
Hans Heckel

Den Vorschlag von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), auf die tiefe Krise der deutschen Industrie mit schuldenfinanzierten Gegenmaßnahmen zu reagieren, konterte Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer mit einem denkwürdigen Satz: „Das ist der Weg, den die DDR gegangen ist.“

Viele Menschen in den neuen Bundesländern fühlen sich durch den rasanten Absturz der Wirtschaft tatsächlich an die Spätzeit der DDR erinnert. Gibt es Parallelen? Ohne die Verdienste der Bürgerrechtler und der mutigen Montagsdemonstranten zu schmälern: Es waren vor allem die Scharen an Übersiedlern, die das schnelle Ende der DDR und die (davor so wohl von niemandem erwartete) Schnelligkeit der Vereinigung erzwangen.

Sie kehrten einem Staat den Rücken, den eine verfehlte Wirtschaftspolitik ruiniert hatte. Dabei handelte sich zum großen Teil um junge Menschen, um das produktive Rückgrat der DDR-Volkswirtschaft. Bis zuletzt versuchte der letzte kommunistische Regierungschef Hans Modrow, die Probleme mit neuen Schulden zu verkleistern. Doch Helmut Kohl ließ ihn abblitzen: erst freie Wahlen. Damit war das Ende des SED-Regimes besiegelt.

Heute treibt es abermals viele deutsche Beschäftigte aus der Republik. Vor allem aber vergeht keine Woche, in der nicht eine neue Auslandsverlagerung eines deutschen Unternehmens bekannt wird. Viele prominente Namen wie Bosch, Miele oder BASF beherrschen die Schlagzeilen, dahinter tummeln sich noch viele mittelgroße Unternehmen, deren Namen kaum jemand kennt. Abermals versuchen Politiker, dem Problem mit mehr Schulden und mehr Subventionen beizukommen. 

Die Bundesrepublik an sich wird kaum untergehen. Doch der Bundesrepublik als reichem Wohlfahrtsstaat mit starker Wirtschaft, der droht existentielle Gefahr. Margot Honecker warf 1989 den Übersiedlern damals hinterher, sie weine „denen keine Träne nach“. Ob Habeck weint wegen der industriellen Massenflucht von heute?