Seit dem Untergang des „Dritten Reiches“ gehört das Bekenntnis, dass sich Judenhass in Deutschland nicht wiederholen dürfe, zum Grundkonsens aller politisch relevanten Kräfte. „Nie wieder Antisemitismus!“ hieß und heißt es über die Parteigrenzen hinweg.
Was dieses Bekenntnis wert ist, zeigt sich seit Monaten eindrucksvoll – nämlich nichts. Als nach dem 7. Oktober 2023, an dem mehr als tausend Juden in Isreal von der Hamas ermordet wurden, zehntausende Muslime durch deutsche Straßen zogen und einen islamischen Gottestaat forderten, stellten führende Repräsentanten der Gesellschaft nicht etwa die radikalen Moslems zur Rede, sondern organisierten unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt“ Demonstrationen „gegen Rechts“ – ganz so, als hätten deutsche Rechtsradikale zuvor in Israel gemordet.
Am letzten Sonnabend nun nutzte der Regisseur Ben Russell die Abschlussgala der Berlinale für den Vorwurf an Israel, mit dem Einsatz in Gaza einen Genozid an den Palästinensern zu verüben. Kein Wort über den vorherigen Terror der Hamas, kein Wort darüber, dass viele Araber bis heute den Staat Israel nicht anerkennen. Doch statt Buhrufen für den öffentlichen Judenhass gab es Beifall aus der Kulturszene. Diesen erhielt auch der Filmemacher Basel Adra für seine Forderung, Deutschland möge seine Waffenlieferungen an Israel einstellen.
Zwar war die Empörung hinterher groß, doch zeigt die Berlinale einmal mehr, dass für weite Teile jener selbsternannten Gut- und Bessermenschen – zu den Applaudierenden gehörte auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth – „Nie wieder!“ nichts mehr ist als eine hohle Floskel, die sie bei Bedarf politisch Andersdenkenden um die Ohren hauen können – die jedoch niemals ernst gemeint ist in dem Sinne, Judenhass in jedem Fall und unabhängig vom jeweiligen Ursprung entgegenzutreten.

