04.04.2026

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Folge 10-24 vom 08. März 2024 / Umweltkatastrophe / Das Inferno am Gasplatz Breloh 1919 / Schauplatz Munster – Als Millionen Granaten, Minen und ganze Waggons von Kampfstoffen auf einen Schlag explodierten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 10-24 vom 08. März 2024

Umweltkatastrophe
Das Inferno am Gasplatz Breloh 1919
Schauplatz Munster – Als Millionen Granaten, Minen und ganze Waggons von Kampfstoffen auf einen Schlag explodierten

Ein für die Örtzestadt Munster bis heute sehr bedeutendes Ereignis der unmittelbaren Nachkriegszeit ist die Katastrophe vom 24. Oktober 1919. An jenem Tag bebte morgens um 9.40 Uhr im ganzen Landkreis Soltau die Erde. Eine infernalische Explosion beendete die Arbeiten in der Klopperwerkstatt des Breloher Gasplatzes für immer. 1000 Tonnen Kampfgas, rund eine Million Gasgranaten, eine Million Zünder und Kartuschen sowie 230.000 Minen und 40 Kesselwaggons mit unverfüllten Kampfstoffen flogen in einem wahrhaften Explosionsinferno in die Luft. Munitionsreste und Gesteinsbrocken gingen kilometerweit nieder.

Wo zuvor 48 Gebäude der Grün- und Gelbkreuzwerke standen, in denen gerade noch Kampfstoffe zur Vernichtung vorbereitet wurden, blieb allein noch ein Schornstein und ein Nebengebäude stehen – der Rest war eine vergiftete Wüstenei. Die Zahl der Todesopfer ist bis heute nicht bekannt.

Allerdings arbeiteten auf dem sogenannten Gasplatz Breloh bereits im Kriegs-Januar 1916 auf etwa 6500 Hektar rund 6000 Mann. Wo zuvor Kampfstoffmunition für den verheerenden Gaskrieg hergestellt worden waren, wurden die Kampfstoffe und -mittel nach dem Krieg zur Vernichtung gesammelt. Die bis dahin größte Einrichtung zur Herstellung und Erprobung von Kampfstoffen war 1919 der reichsweit bedeutendste Platz zur Vernichtung von Restbeständen an Munition.

Ein Teil der giftigen Gaskampfstoffe sollte unter anderem in der Nord- und Ostsee versenkt werden. Die Explosion vom 24. Oktober 1919 beendete diese Arbeiten allerdings auf einen Schlag. Nach der Explosion blieben die Gase buchstäblich in der Luft hängen. An jenem Tag lag Norddeutschland am Südrand eines skandinavischen Hochdruckgebiets in einer schwachen südöstlichen Luftströmung. Der Spätherbsttag wies laut den Datenbanken des Deutschen Wetterdienstes Temperaturen zwischen zwei und fünf Grad Celsius auf.

Umweltschaden bis heute spürbar

Die Giftgase drifteten vor diesem Hintergrund leicht in westliche Richtung ab. „Wegen der freiwerdenden Gase mussten Töpingen, Elster, Breloh und Alvern geräumt werden. Die Bevölkerung samt Vieh flüchtete nach Munster“, berichtete die „Böhme-Zeitung“. Die Tageszeitung wollte umfangreich zu der Katastrophe berichten, doch erfuhren die Leser im Nachgang der Katastrophe über den ersten Artikel hinaus nichts mehr über die Ursachen und Folgen der Explosion. Um das tödliche Inferno hatte sich der Mantel des Schweigens der militärischen Geheimhaltung gelegt.

Die Zivilbevölkerung konnte zwar Schäden beim Landrat anmelden, doch der Umweltschaden ist bis heute, mehr als 100 Jahre nach dem Ereignis, präsent. Das auf dem damaligen Gasplatz heute angesiedelte Entsorgungsunternehmen Geka vernichtet jährlich rund 5000 Tonnen kontaminierten Erdboden. Um das Betriebsgelände herum sind die meisten Flächen weiterhin bis heute hochgradig belastet, Schilder verbieten selbst militärisch Befugten ohne Schutzmaßnahmen das Betreten der Flächen.BK