Schon im Vorfeld der viertägigen Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Augsburg hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Limburger Bischof Georg Bätzing, die laufenden Proteste gegen die Alternative für Deutschland als ein „einmütiges Signal gegen Extremismus“ bezeichnet. „Die Gefährdung eines völkisch-nationalistischen und rechtsextremen Denkens gibt es leider Gottes auch unter Katholiken“, beklagte er. Und die Bischöfe von Berlin, Hamburg, Magdeburg, Erfurt, Görlitz und Dresden-Meißen hatten Mitte Januar vor der Wahl der AfD gewarnt und diese im Bundestag und fast allen Landtagen vertretene Partei mit Parteien wie „Die Heimat“ (ehemals NPD) und „Der Dritte Weg“, die fast nirgendwo Mandatsträger haben, gleichgesetzt.
Vor diesem Hintergrund hat die DBK bei ihrer Frühjahrsversammlung in Augsburg die Mitgliedschaft in der AfD als unvereinbar mit Ämtern einschließlich Ehrenämtern in der katholischen Kirche erklärt. Die Inhalte der Partei, die auf völkisch subsumiert wurden, seien, weil sie vom Verfassungsschutz so festgestellt worden seien, inkompatibel mit den Werten der Kirche, sagte der Vorsitzende der DBK. Die kirchenpolitische Sprecherin der AfD, die Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst, hat hierraufhin angekündigt, das Papier der deutschen Bischöfe in Rom prüfen zu lassen.
Hätte Bätzing am 27. Januar seinem nach Frankfurt zum Karlsamt eingeladenen Gast, dem italienischen Bischof der Diözese von Albano Vincenzo Viva, zugehört, dann hätte er aus Italien ganz andere Töne der dortigen Bischöfe zu ihrer Regierungschefin Giorgia Meloni hören können.
Während Meloni in Deutschland immer noch als „Neofaschistin“ betitelt und bezeichnet wird, warnte Viva, in dessen Diözese sich der Sommersitz der Päpste Castel Gandolfo befindet und der infolgedessen sehr enge Kontakte zum Vatikan hat, vor dieser Bezeichnung bei einem Gespräch im Frankfurter „Haus am Dom“, bei dem sich Bätzing durch seinen Weihbischof vertreten ließ. Der in Frankfurt als Sohn von Gastarbeitern geborene und aufgewachsene Bischof von Albano bezeichnete die Politik von Meloni zwar als konservativ, aber keineswegs als faschistisch. Die Kirche arbeite gut mit dieser Ministerpräsidentin zusammen. Irgendwie konnte man in seinen Ausführungen sogar eine gewisse Bewunderung für die Politik Melonis feststellen.
Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass Rom den AfD-Beschluss der deutschen Bischöfe, das einzige gemeinsame Papier der diesjährigen Bischofsversammlung, kassieren wird. Immerhin befinden sich unter den Mandatsträgern der AfD eine ganze Reihe von katholisch geprägten Menschen, wie der ehemalige AfD-Landesvorsitzende von Rheinland-Pfalz und katholische Religionslehrer Michael Frisch, aus dessen Landesverband Höchst kommt. Sollte Rom tatsächlich den AfD-Beschluss der deutschen Bischöfe kassieren, würde eine derartige Reaktion aus der Vatikanstadt von den Bloßgestellten pressemäßig zweifelsohne auf ganz kleiner Flamme gekocht.


