Kriegsmüde Ukrainer
Kiew – Mit 72 Prozent plädierten fast drei Viertel der Ukrainer, die Anfang Februar vom Kiewer Internationalen Institut für Soziologie dazu befragt wurden, dafür, dass ihre Regierung „zusätzlich zu den militärischen Anstrengungen auch nach einem diplomatischen Weg sucht, den Krieg mit Russland zu beenden, um die menschlichen Verluste zu minimieren“. Dahingegen wollen nur 23 Prozent den militärischen Sieg, „egal wie hoch die Opferzahlen sind“. Zu diesem Symptom von Kriegsmüdigkeit passt, dass sich rund neun Zehntel der Befragten gegen Zwangsmobilisierungen aussprachen und die Popularitätswerte des Staatspräsidenten Wolodymyr Selenskyj eingebrochen sind. In den ersten Monaten nach dem russischen Einmarsch lagen sie bei 90 Prozent. Mittlerweile würden nur noch 16 Prozent der Ukrainer Selenskyj wählen, während auf den entlassenen Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj 38 Prozent der Stimmen kämen.W.K.
Schäden durch Lockdowns
Paris – Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der 38 Mitgliedsstaaten angehören, beziffert den Schaden für die Weltwirtschaft aufgrund der Schulschließungen während der Corona-Lockdowns auf rund eine Billion Euro. Dieser resultiert laut OECD aus der geringeren Wertschöpfung innerhalb der nächsten 30 bis 40 Jahre, deren Ursache im sinkenden Bildungsniveau der Schüler liegt. Die Wissenslücken der Corona-Generation hätten eine zurückgehende Arbeitskräftequalifikation und damit einen Schwund der Arbeitsproduktivität zur Folge. Dazu komme der Umstand, dass es zukünftig auch weniger Innovationen und technischen Fortschritt geben werde. Außerdem führe die mangelnde Qualifikation zu niedrigeren Löhnen und somit zum Kaufkraftverlust. Des Weiteren seien vermehrte soziale Konflikte zu erwarten, die der Wirtschaft gleichermaßen schaden, weil sie die Investitionsbereitschaft senken. W.K.
Unsichere Aussichten
Warschau/Wien – Zwei Jahre nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine hat Polens Regierung das Bleiberecht für ukrainische Flüchtlinge nur bis zum 30. Juni verlängert. Nach Angaben von Abgeordneten des polnischen Sejm prüft die Regierung auch den Bedarf an Unterstützung für die Ukrainer. Hilfsorganisationen äußerten die Befürchtung, dass es bei der Unterstützung für die mehr als eine Million ukrainischen Kriegsflüchtlinge in Polen Kürzungen geben wird. In Österreich meldete Nina Andresen, die Leiterin des Communitycenters der Hilfsorganisation „Train of Hope“, dass viele ukrainische Kriegsflüchtlinge inzwischen „mit allen psychischen und sozialen Folgen“ in die Armut fallen. Als Lösungsmöglichkeiten nannte die Flüchtlingshelferin gegenüber dem Wiener „Standard“ die Überführung der ukrainischen Kriegsflüchtlinge „in ein fixes Aufenthaltsregime und die Einbeziehung in die Sozialhilfe“.H.M.


