30.04.2026

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Folge 10-24 vom 08. März 2024 / Demographie / Ein Volk arrangiert sich mit seiner Schrumpfung / Japan treibt in einen rapiden Bevölkerungsrückgang – Doch statt gegenzusteuern, macht man einfach das Beste daraus

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 10-24 vom 08. März 2024

Demographie
Ein Volk arrangiert sich mit seiner Schrumpfung
Japan treibt in einen rapiden Bevölkerungsrückgang – Doch statt gegenzusteuern, macht man einfach das Beste daraus

Zu den derzeitigen Krisen wird sich bald noch eine demographische gesellen. Zum einen explodieren die Bevölkerungszahlen in Afrika und weiteren Teilen der Dritten Welt, zum anderen gibt es in den Industrieländern komplett gegenteilige Entwicklungen. Einen Wandel der letztgenannten Art macht auch Japan durch, wobei der Bevölkerungsschwund hier besonders zeitig einsetzte. 

Der Höchststand bei der Einwohnerzahl wurde in Japan bereits 2008 erreicht. Damals lebten 128 Millionen Menschen auf den 14.125 japanischen Inseln – etliche davon in den beiden Megastädten Osaka und Tokio. Mittlerweile sind es schon zwei Prozent weniger, nämlich 125,4 Millionen, wobei die Entwicklung immer schneller verläuft. Zuletzt sank die Bevölkerungszahl im Land der aufgehenden Sonne um 500.000 Menschen pro Jahr. Neuere Hochrechnungen des Nationalen Institutes für Bevölkerungs- und Sozialversicherungsforschung vom April vorigen Jahres besagen, dass es 2070 bloß noch um die 87 Millionen Japaner geben wird. Und 2120 sollen es dann sogar nur 49,7 Millionen sein.

Verursacht wird das Ganze durch einige wenige Faktoren. 1945 lebten in Japan rund 72 Millionen Menschen. Dann stieg die Bevölkerungszahl infolge der hohen Geburtenrate nach dem Zweiten Weltkrieg von mehr als vier Kindern pro Frau rapide an. Allerdings sorgten die unablässig wachsenden Lebenshaltungskosten und die daraus resultierende stärkere Erwerbstätigkeit der japanischen Frauen für eine baldige Abflachung der Geburtenkurve, bis die Reproduktionsrate Ende der 1970er Jahre auf unter 2,1 Kinder pro Frau fiel – also jenen Wert, der erreicht werden muss, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten. 

Damit setzte deren Rückgang ein, da die japanische Regierung es weder vermochte, durch passende sozialpolitische Programme gegenzusteuern, noch bereit war, auf diese Entwicklung mit einer Förderung der Immigration zu reagieren. Stattdessen wurde beschlossen, sich mit dem Bevölkerungsschwund auf kreative Weise zu arrangieren.

Dazu gehören spezielle Programme für die „Shoumetsu Kanousei Toshi“, also die „Vom Aussterben bedrohten Orte“. Von denen gibt es laut Angaben des Japan Policy Council mittlerweile bereits 900, wobei ein Ort dann auf die Liste kommt, wenn Demographen davon ausgehen, dass die Zahl der hier lebenden Frauen im Alter zwischen 20 und 39 Jahren bis 2040 um voraussichtlich 50 oder mehr Prozent zurückgeht. In diesem Fall fördert der Staat beispielsweise Maßnahmen zur Umnutzung der vorhandenen, aber für ihren ursprünglichen Zweck nicht mehr gebrauchten Infrastruktureinrichtungen. So werden aus Schulen Orte, an denen sich Anhänger verschiedenster Interessen in größeren Gruppen zusammenfinden und austauschen können. Überflüssige Banken wiederum dienen nun oftmals als Bürogebäude für Firmengründer, welche es lieben, in den leer stehenden Tresorräumen ungestörte Konferenzen abzuhalten. Und nicht selten verwandeln die Japaner die verwaisten Einrichtungen auch in potentielle Notquartiere für den Katastrophenfall. W.K.