Obwohl Daniela Klette möglicherweise keinen einzigen Mord begangen hat, nährt ihre Verhaftung die Hoffnung auf neue Erkenntnisse über die Tötungsdelikte, welche der RAF zugeschrieben werden. Denn diesbezüglich sind die Ermittler bislang wenig erfolgreich gewesen. Von den 32 Morden, die man der RAF üblicherweise anlastet, konnten nur relativ wenige vollständig aufgeklärt werden, während die Erfolgsquote bei dieser Art von Schwerkriminalität ansonsten bei rund 95 Prozent liegt.
So ist nach wie vor unbekannt, wer genau den Hamburger Polizeibeamten Norbert Schmid erschoss, der am
22. Oktober 1971 zum ersten Opfer der RAF wurde. Nach Schmid starben noch zehn weitere Polizisten oder Zöllner im Kugelhagel der Terroristen. Ermittelt wurden dabei in acht Fällen konkrete Täter: Bei der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer am 5. September 1977 erschossen Peter-Jürgen Boock, Sieglinde Hoffmann, Willy Peter Stoll und Stefan Wiesniewski drei Leibwächter und den Fahrer Schleyers. Ebenso steht fest, dass Knut Detlev Folkerts den niederländischen Polizisten Arie Kranenburg bei einem Festnahmeversuch tötete. Des Weiteren ist die Täterschaft im Falle der Ermordung der beiden holländischen Zollbeamten Dionysius de Jong und Johannes Petrus Goemans geklärt: Hier waren Rolf Heißler und Adelheid Schulz die Ausführenden. Gleichermaßen gilt als sicher, dass Manfred Grashof den Chef der Hamburger Staatsschutzabteilung, Hans Eckhardt, tödlich verletzte und Wolfgang Grams den GSG-9-Mann Michael Newrzella erschoss.
Anders verhält es sich dahingegen im Falle der von der RAF ermordeten sieben US-Militärangehörigen und zehn Vertreter von Staat und Wirtschaft der Bundesrepublik. Hier besteht lediglich in einem einzigen Fall echte Gewissheit über die Täter: Der Vorstandssprecher der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, starb am 30. Juli 1977 durch die Hand von Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar.W.K.


