Preußeninteressierte kennen ihn in der Rolle der historischen Figur des Jacob Paul von Gundling an der Seite von Götz George als Soldatenkönig in der 1981 gedrehten Verfilmung des gleichnamigen Romans von Martin Stade „Der König und sein Narr“. Hitchcock-Fans denken bei seinem Namen vielleicht eher an den 1966 erschienenen US-Spielfilm „Der zerrissene Vorhang“, in dem er einen Stasi-Mitarbeiter spielt, dessen Kopf in einer quälend langen Filmsequenz durch die von Paul Newman verkörperte männliche Hauptfigur und eine Bäuerin in die Backröhre eines Gasherdes gesteckt wird, bis der Tod eintritt. Anderen fällt bei seinem Namen Jürgen Roland Kinofilm „Polizeirevier Davidswache“ oder der ebenfalls 1964 erschienene Film „Die Physiker“ nach dem gleichnamigen Theaterstück von Friedrich Dürrenmatt ein. Die Rede ist von Wolfgang Kieling.
Fast vier Jahrzehnte ist sein Tod jetzt schon her. Dabei liegt seine Geburt noch nicht einmal 100 Jahre zurück. Am 16. März 1924 kam Kieling in Preußens Hauptstadt zur Welt. Der Vater der Schauspieler Susanne Uhlen und Florian Martens hatte seinerseits zwar keinen hauptberuflichen Schauspieler zum Stiefvater, sondern einen Schneidermeister, doch gehörten seine Eltern zumindest einem Theaterverein an. So früh Kielings Karriere durch seinen frühen Krebstod endete, so früh begann sie auch.
Sein Bühnendebüt gab er bereits als Kind. Mit sechs Jahren nahm er als Kindersopran seine erste Schallplatte auf. Es folgte eine Karriere im Kinderfunk. Seine markante Stimme ermöglichte es Kieling ,nicht nur auf der Bühne und vor der Kamera, sondern auch im Studio mit Synchronisation und Hörspielen Geld zu verdienen. Zu den von ihm synchronisierten Prominenten gehört nicht zuletzt Ernies genervter Partner Bert aus der „Sesamstraße“.
Als Filmschauspieler hatte Kieling nach ersten Auftritten in Kurzfilmen 1936 sein Debüt in Veit Harlans Spielfilm „Maria, die Magd“. Weitere, meist kleinere Rollen – darunter auch die des Franz in dem 1939 erschienenen Spielfilm „Die Reise nach Tilsit“ von Harlan nach der gleichnamigen Vorlage von Hermann Sudermann – folgten ebenso wie Schauspielunterricht und eine UfA-Ausbildung zum Regieassistenten. Eine beginnende Karriere als Theaterschauspieler wurde durch Einberufung zur Wehrmacht, Verwundung und sowjetische Kriegsgefangenschaft bis 1949 unterbrochen.
Danach ging Kieling in den Westteil seiner Geburtsstadt und setzte seine Theater- und Filmschauspielerkarriere in der Bundesrepublik fort, unterbrochen von zwei DDR-Aufenthalten 1954 bis 1957 und 1968 bis 1970. Beim ersten Mal war Kielings Motiv, zusammen mit seiner Ehefrau Gisela Uhlen, deren aus der vorangegangenen Ehe mit Hans Bertram hervorgegangene Tochter Barbara dem in der Bundesrepublik lebenden Vater zu entziehen. Beim zweiten Mal war es politischer Protest, vor allem gegen den Vietnamkrieg der USA.
Nach seiner erneuten Rückkehr in die Bundesrepublik arbeitete Kieling in den ihm nun noch verbleibenden eineinhalb Jahrzehnten vor allen Dingen für das Fernsehen, wo er eine beachtliche Präsenz erreichte. Im 62. Lebensjahr, am 16. März 1985, fand diese Arbeit ein jähes Ende. Der Krebskranke starb in einem Hamburger Krankenhaus nach einer Magenoperation.


