21.04.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Folge 11-24 vom 15. März 2024 / Grundlagenforschung II / Milliarden, die woanders fehlen / Die Kosten für wissenschaftliche Großprojekte laufen oft aus dem Ruder – andere wichtige Vorhaben werden dagegen vernachlässigt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 11-24 vom 15. März 2024

Grundlagenforschung II
Milliarden, die woanders fehlen
Die Kosten für wissenschaftliche Großprojekte laufen oft aus dem Ruder – andere wichtige Vorhaben werden dagegen vernachlässigt

Grundlagenforschung ist immer teuer – auch sind Kostenexplosionen bei wissenschaftlichen Großprojekten keine Ausnahme, sondern die Regel. Dennoch gibt es kaum gesellschaftliche Debatten hierüber wie beispielsweise im Falle der „Rettungspakete“ für angeschlagene Unternehmen oder Großbanken. Das liegt daran, dass die Allgemeinheit wenig über die Finanzierung der Grundlagenforschung erfährt. 

So muss man ziemlich lange suchen, um etwas über die ungefähren Kosten des geplanten Laser-Weltraum-Interferometers LISA zu erfahren. Ein typisches Beispiel für die extreme Geldvernichtung in der Wissenschaft ist die Internationale Beschleuniger-Anlage zur Forschung mit Antiprotonen und Ionen (FAIR), welche seit 2011 in Darmstadt entsteht. 2005 wurden die Baukosten mit 700 Millionen Euro angesetzt, von denen die Bundesrepublik 490 Millionen übernehmen sollte. Außerdem war eine Inbetriebnahme im Jahr 2015 geplant. 

Mittlerweile geht man von einer Fertigstellung um 2027 herum aus – und von Baukosten in Höhe von 3,76 Milliarden Euro, bei denen es aber sicher ebenfalls nicht bleiben wird und die mehrheitlich zulasten der deutschen Steuerzahler gehen. Schließlich ist unter anderem mit einem kompletten Zahlungsausfall seitens des 17,45-Prozent-Partners Russland zu rechnen.

Ähnlich sind die Verhältnisse beim europäischen Gravitationswellendetektor Einstein-Teleskop, dem Super-Röntgenmikroskop Petra IV, dem Neubau des Forschungsschiffes „Polarstern“ und beim europäischen Versuchs-Kernfusionsreaktor Iter im französischen Cadarache. Der Reaktor befindet sich bereits seit 2007 im Bau und kostete bislang 20 Milliarden Euro. Die Fertigstellung dürfte nicht vor 2035 erfolgen und am Ende möglicherweise die gigantische Summe von mehr als 50 Milliarden Euro erfordern.

Das Fatale hieran ist, dass solche und ähnliche Multimilliarden-Projekte auf dem Gebiet der Grundlagenforschung das Geld verschlingen, welches für die Entwicklung essentieller anwendungsorientierter Technologien beispielsweise auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz und der Medizin gebraucht wird. Deshalb mahnen Kritiker, bei den eingangs genannten Vorhaben die Reißleine zu ziehen, so wie dies der US-Kongress 1993 beim Teilchenbeschleuniger Superconducting Super Collider (SSC) in Texas tat, als dessen Kosten von ursprünglich 4,4 Milliarden US-Dollar auf zwölf Milliarden hochschnellten.

Aber im Falle von FAIR und anderen Projekten gilt offensichtlich die Devise „Too big to fail“, also „Zu groß, um zu scheitern“. So verweigert das FDP-geführte Bundesministerium für Bildung und Forschung die nötige strategische Schwerpunktsetzung mit der Konsequenz des Ausstiegs aus einigen der überteuerten Vorhaben, indem es auf angebliche Schwierigkeiten bei der Auflösung internationaler Forschungsverflechtungen verweist. Dazu kommen Warnungen vor einer Blockade des wissenschaftlichen Fortschritts und dem Verlust aller bislang aufgewendeten Gelder beim Stopp der Projekte. W.K.