Splitter im Auge
Zu: Macron „schlafwandelt“ Richtung Apokalypse (Nr. 9)
Der Beitrag bringt die Gefahren einer weiteren Eskalation des Konflikts um die Ukraine wieder gewohnt sachlich und klar auf den Punkt. Der Vergleich mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs ist wohl in der Tat sehr naheliegend. Schon vor zehn Jahren zog Altkanzler Helmut Schmidt diesen Vergleich mit Blick auf den Ukraine-Konflikt. Sein Beitrag in der „Zeit“ vom 25. September 2014 hatte die Überschrift: „Wir Schlafwandler“. Sehen Politik und Medien heute nur den „Splitter“ im Auge des Präsidenten Russlands, so konnte Schmidt schon damals sagen, dass alle Beteiligten Fehler gemacht haben und eben darum auch alle nachgeben müssten: die Ukraine, die Europäische Union, die NATO und Russland. Warum aber möchte man nicht auf Schmidt oder Ex-General Harald Kujat hören? Ist es das schlechte Gewissen?
Ottfried Wallau, Siegburg
Grüne als Rechte Partei?
Zum Wochenrückblick: Erwartungen ans Volk (Nr. 9)
Die Grünen waren in den 80er Jahren in ihrer Protestform wohl radikaler als Landwirte und AfD-Vertreter heute. Man blockierte als Grüner Castor-Transporte, beteiligte sich an Sitzblockaden gegen Unionspolitiker und pöbelte im Parlament, was die Grünen zur ersten „populistischen“ Partei in der Bundesrepublik Deutschland machte. Was gestern jedoch noch als legitimer ziviler Ungehorsam galt, deklarieren die Grünen – heute in Regierungsverantwortung – als „demokratiefeindlich“ und „rechts“.
Selbiges gilt auch für die einstigen grünen Forderungen nach Volksabstimmungen, Abrüstung sowie die Idee einer „antiautoritären Gesellschaft“. Würde sich heute eine (neue) grüne Partei mit den Inhalten der Grünen aus den 80er Jahren gründen, würde diese wahrscheinlich in den Augen heutiger Grüner als „Verdachtsfall“ für den Verfassungsschutz gelten. Die Grünen haben sich im Staatsapparat eingerichtet, machen Politik für Rüstungskonzerne und predigen dem Fußvolk die grüne Moral von oben. Waren die früheren Grünen in vielerlei Dingen vielleicht Utopisten, so sind sie heute knallharte Realitätsverweigerer – abgeschottet in Amtsstuben.
Noch immer wähnt man sich als (kleine) ökologische und antiautoritäre Partei, obwohl man es inzwischen längst nicht mehr ist. Führend sind die Grünen nur noch in Forderungen nach mehr Waffenlieferungen, neuen Steuern und einer Ent-Demokratisierung des Bundesverfassungsgerichts, was die Grünen eigentlich zu einer „rechten“ Partei macht, wären diese Begriffe heute noch aktuell. Dass jetzt noch Landwirte, Umweltschützer und Friedensaktivisten gegen die verheerende grüne Politik von heute auf die Straßen gehen, was gestern oftmals noch grünes Wählerklientel war, offenbart, wie weit sich die Grünen inhaltlich und von ihrem Auftreten gewandelt haben. Von grünem Idealismus vergangener Tage ist nichts zu sehen.
Stattdessen verbarrikadieren sich die Grünen hinter der Moralkeule, die jeden Kritiker grüner Politik zum „Demokratiefeind“ und „Rechtsradikalen“ deklariert. Diese offene Dünnhäutigkeit ist der Beweis dafür, wie aus Aktivisten Waschlappen werden.
Marcel Jacobs, Hamburg
Geliebtes Franken
Zu: Schäufele, Höhlenkäse, Kommunenbier (Nr. 9)
Ich war hocherfreut, dass ich in der PAZ einen Beitrag über mein Nürnberger Land vorgefunden habe. Ich wurde in Röthenbach an der Pegnitz geboren, das zum Nürnberger Land gehört. Burg Hohenstein haben wir vor etwa einem halben Jahr bestiegen. Der Ausblick von dort oben ist einfach grandios. Ganz in der Nähe begrüßen sich die Regierungsbezirke von Oberfranken und die Oberpfalz – und das alles im Bundesland Bayern.
Schäufele, Bratwürste, Lebkuchen, Wein und Bier gehören zu Franken. Käse gibt es bei uns, aber wenn es um den selbstgemachten Käse geht, der kann zur Genüge produziert werden. Höhlenkäse gibt es zwar in Franken auch zu kaufen, aber eine richtige fränkische Spezialität ist dieser gerade nicht für unsere Region.
In Krottensee bei Neuhaus an der Pegnitz, also gleich um die Ecke, wird im Gasthof „Grottenhof“ der „Grottenkäse“ serviert. Dieser Käse reift in zehn Wochen in der Höhle oder in der Grotte, wie man bei uns zur Höhle sagt.
Trotzdem vielen Dank für Euren Reisebericht über mein Nürnberger Land.
Klaus P. Jaworek, Büchenbach
Merz? Nein, Danke!
Zu: Ampeldämmerung (Nr. 9)
Tosender Beifall für diese Zusammenfassung der Situation, in die uns schon Merkel gebracht hat und die jetzt nur noch verschlimmert fortgesetzt wird. Vor einem Kanzler Merz mögen wir demnach bewahrt bleiben.
Ulrich Bohl, Berlin
NATO-Ausdehnung im Osten
Zu: Die „Wahrheit“ über das „Versprechen“ (Nr. 8)
Die Rezensentin des Buches „Nicht einen Schritt weiter nach Osten“ der US-amerikanischen Historikerin Mary Elise Sarotte stellt gleich zu Anfang dar, dass die Autorin die offizielle US-amerikanische Sichtweise vertritt. Damit scheint diese sich jetzt in Gegensatz zu ihrem früheren Buch „1989. The Struggle to Create Post-Cold War Europe“ zu stellen.
Auch Jacques Baud stellt in seinem Buch „Putin, Herr des Geschehens?“ dar, dass es zwar keinen Vertrag, aber durchaus ein Versprechen von höchster (amerikanischer) Ebene gab, von einer Ausdehnung nach Osten abzusehen.
Musste nicht, wie Klaus von Dohnanyi 2022 in „Nationale Interessen“ schrieb, Gorbatschow auf das Wort des US-Außenministers vertrauen können? Man macht es sich eventuell zu leicht, sich nur auf einen ohne Zweifel nicht geschlossenen Vertrag zu versteifen.
Michael Weber, Harrislee
Besudelter Kästner
Zu: Besuch bei Erich (Nr. 8)
Leider ist die Denkmalsituation, wie in dem ansonsten sehr informativen Artikel über Erich Kästners Dresdener Wohnorte beschrieben, längst nicht mehr so: Die Mauer, auf der der junge Erich Kästner als Bronzeskulptur sitzt, weist Besudelungen mit Farbe auf.
Noch schlimmer sieht das Kästner-Denkmal mit „Kaffeetasse und Whiskyglas“ aus. Obwohl es schon einen Standortwechsel und eine Säuberung erfahren hat, sind die Oberflächen der symbolischen Buchseiten so besprüht worden, dass man die Texte kaum noch lesen kann (siehe auch das aktuelle Foto unten).
Besonders fatal macht sich das bei Kästners recht bekanntem „Moral“-Zitat: „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es!“
Aber wer weiß, dass sich das Denkmal im grünlinken Teil Dresdens, in der Neustadt, befindet, der darf sich freilich über diese Narrentaten nicht wundern. Es passt allerdings auch zum immer mehr bildungsneutral werdenden Deutschland.
Manfred Kristen, Freital


