21.04.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Folge 12-24 vom 22. März 2024 / Lebensstandard / Die Wahrheit über das „glückliche“ Bhutan / Das kleine Himalaja-Reich wird neuerdings als Vorbild für die Menschheit gepriesen – Ein näherer Blick lässt Zweifel aufkommen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12-24 vom 22. März 2024

Lebensstandard
Die Wahrheit über das „glückliche“ Bhutan
Das kleine Himalaja-Reich wird neuerdings als Vorbild für die Menschheit gepriesen – Ein näherer Blick lässt Zweifel aufkommen

Das kleine Himalaja-Königreich Bhutan, welches an Indien und Tibet grenzt, ist der neue Liebling des bundesdeutschen Mainstreams. So schwärmte das Internetportal Web.de kürzlich unter der Schlagzeile „Grün und glücklich“, das „Reich des Donnerdrachens“ sei „ein wahrer Lichtblick und Vorbild für Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit“. Schließlich emittiere das zu zwei Dritteln bewaldete Bhutan seit 2013 weniger von dem „Klimakiller“ Kohlendioxid, als es aufnehme oder kompensiere. 

Dies wird dann wiederum als Auswirkung des Konzeptes vom „Bruttonationalglück“ hingestellt, welches aus einer Anregung des bhutanischen Königs Jigme Singye Wangchuck erwuchs: Der Lebensstandard der Menschen in seinem Reich solle nicht nur an wirtschaftlichen Kennziffern gemessen werden, sondern ebenso an der Bewahrung der nationalen Traditionen, der Qualität der Regierungsführung und dem Schutz der Umwelt. 

Hiervon zeigte sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) beim Besuch des bhutanischen Ministerpräsidenten Lotay Tshering im März 2023 tief beeindruckt. Deshalb empfahl er sogleich, den Wohlstand auch hierzulande nach dem Vorbild der Monarchie auf dem Dach der Welt zu bewerten.

Die Sache hat allerdings zwei Haken: Zum einen ist völlig unklar, ob Bhutan tatsächlich eine so prächtige CO₂-Bilanz aufweist, weil es an konkreten Messmöglichkeiten fehlt. Und zum anderen darf bezweifelt werden, dass die Untertanen von Wangchuck mit der gegenwärtigen Situation wirklich alle so zufrieden sind wie behauptet. Immerhin steht das Land im Index der menschlichen Entwicklung nur an 127. Stelle hinter Staaten wie dem Irak und Venezuela. 

Und was den Gini-Koeffizienten betrifft, der das Ausmaß der sozialen Ungleichheit widerspiegelt, rangiert Bhutan ebenfalls weit abgeschlagen auf Platz 93. Mehr als zwölf Prozent der Bhutaner gelten als arm, wobei das Durchschnittseinkommen der nicht privilegierten Mehrheit des Volkes auch nur bei umgerechnet 310 Euro im Monat liegt.

Ähnlich schlecht sieht es für Bhutan aus, wenn man den Global Competitiveness Index zur Wettbewerbsfähigkeit eines Landes und den Index für die wirtschaftliche Freiheit betrachtet. Mehr als die Plätze 82 beziehungsweise 107 erreicht das Königreich nicht. Und dann wären da noch der Fragile States Index, welcher die innere Stabilität von Staaten misst, der Demokratieindex, der besagt, wie autoritär eine Regierung agiert, und der Index der Pressefreiheit. Hier nimmt Bhutan die Ränge 96, 84 und 90 ein, was ebenfalls eher zur Skepsis Anlass gibt. Diese schlechten Werte sind unter anderem die Folge des Umstandes, dass das Land seit 1988 eine Politik der zwangsweisen kulturellen Assimilierung zulasten von Nichtbuddhisten betreibt, unter der insbesondere die hinduistischen Einwanderer aus Nepal leiden. Das führte bereits zu massiven Unruhen.

Schließlich ist Bhutan auch ein Staat, der sehr gerne reglementiert. So wurde 1994 das Bergsteigen oberhalb von 6000 Metern verboten und 2004 ein umfassendes Rauchverbot verhängt. W.K.