19.04.2026

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Folge 13-24 vom 29. März 2024 / Beratungsbranche / Planspiele zu europäischen Lebensmittelkrisen / Rund 60 Vertreter der EU und Fachleute für Ernährungssicherheit folgten der Einladung von Food Alert

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-24 vom 29. März 2024

Beratungsbranche
Planspiele zu europäischen Lebensmittelkrisen
Rund 60 Vertreter der EU und Fachleute für Ernährungssicherheit folgten der Einladung von Food Alert
Wolfgang Kaufmann

Die Frage, wie groß die Gefahr von schweren Lebensmittelkrisen in Europa sei, stand im Mittelpunkt eines zweitägigen Treffens von etwa 60 Vertretern der EU und Fachleuten für Ernährungssicherheit. Initiator der Veranstaltung war das britische Beratungsunternehmen Food Alert (Lebensmittelalarm), das Lösungen für den Schutz der Nahrungsmittelversorgung anbietet. 

Gleichzeitig traten sechs Partner von Food Alert in Erscheinung: das Institut d’études politiques de Paris (IEP), die Denkfabrik Chatham House mit Sitz in London, das polnische Centre for Systems Solutions, das in Brüssel beheimatete European Policy Centre (EPC), das belgische Beratungsunternehmen Prospero AG und das staatliche französische Institut national de recherche pour l’agriculture, l’alimentation et l’environnement (INRAE).

Während der Zusammenkunft simulierten die Teilnehmer verschiedene Krisenszenarien. Dazu gehörten ein Totalausfall der indonesischen Palmöl-Lieferungen, die Vernichtung der Soja-Ernte in Lateinamerika durch die Wetterphänomene El Niño und La Niña, große chinesische Hamsterkäufe von Nahrungsmitteln sowie gravierende Ernteausfälle infolge der massenhaften Heranziehung ukrainischer und russischer Landwirte zum Kriegsdienst. 

In allen Fällen soll sich gezeigt haben, dass nur wenige europäische Regierungen auf derartige Entwicklungen vorbereitet sind. Sich hieraus ergebende politische Empfehlungen und „Ideen für die strategische Planung“ sollen Ende dieses Monats an die EU-Kommission und die Vertreter von deren European Food Security Crisis preparedness and response Mechanism (EFSCM) übergeben werden. Zu den wichtigsten Punkten zählt dabei die Aufforderung, die Suche nach Alternativen zu einer Ernährung auf Fleischbasis zu intensivieren sowie die bestehenden Nahrungsmittelreserven besser zu verwalten und zu überwachen.

Während des Treffens wurden des Weiteren Themen für die nächsten Simulationen vereinbart. Dann sollen unter anderem „Desinformationen“ nicht näher beschriebener Art sowie der Bioterrorismus und Tierseuchen im Mittelpunkt stehen.

Mindestens zwei der Institutionen, die an den Planspielen mitwirkten, erhielten in der Vergangenheit Forschungsgelder von der Bill & Melinda Gates Foundation sowie der Rockefeller Stiftung und der NATO. Darüber hinaus gehörte zu den Organisatoren der Veranstaltung auch der pensionierte US-Diplomat Chris Hegadorn, der früher das Büro für globale Ernährungssicherheit des US-Außenministeriums leitete und hohe Positionen in der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) innehatte.

Insofern erinnert die Simulation von Lebensmittelkrisen in Europa an frühere Planspiele, bei denen es um einen „weltweiten Gesundheitsnotstand“ ging. An diesen waren ebenfalls diverse Akteure mit hervorragenden Kontakten zur Politik und finanzkräftigen Stiftungen beteiligt.