Momentan leben auf der Welt mehr als eine halbe Million Hundertjährige. Ihre Zahl soll in den kommenden drei Jahrzehnten auf über mehr als vier Millionen steigen. Ob jemand diesem Kreis angehören wird, hängt dabei weniger von genetischen Voraussetzungen ab als vom individuellen Lebensstil. Das ist das Ergebnis der Forschungen von Langlebigkeitsexperten wie Slaven Stekovic von der Karl-Franzens-Universität in Graz und Toshio Akitsu von der japanischen Gesellschaft für Innere Medizin.
Deren Aussagen beruhen unter anderem auf Beobachtungen in jenen Regionen der Welt, in denen man besonders viele Hundertjährige findet. Das sind beispielsweise die griechische Insel Ikaria, die japanische Insel Okinawa, Sardinien, die kalifornische Halbinsel Loma Linda und die Region von Nicoya in Costa Rica. Dabei identifizierten die Wissenschaftler acht Faktoren, welche den Prozess des Alterns verlangsamen können.
Zum einen wäre da die Ernährung. Hierfür gibt es zwar keine Pauschalrezepte, da das Essen immer an die jeweilige Person angepasst sein muss. Ungünstig wirken aber auf jeden Fall hochverarbeitete Lebensmittel wie Tiefkühlprodukte und Fast Food sowie Kohlehydrate im Übermaß. Am sinnvollsten ist eine möglichst abwechslungsreiche Ernährung, weil diese auf der einen Seite verhindert, dass man zu viele Schadstoffe einer bestimmten Art aufnimmt, und zum anderen die ausreichende Zufuhr aller benötigten Nährstoffe garantiert. Eine rein vegetarische oder gar vegane Kost – insbesondere ohne Fisch – bietet also keine Garantie für ein langes Leben.
Außerdem hat entscheidende Bedeutung, wie der Körper im Alter zwischen 20 und 40 Jahren trainiert wird. Die in dieser Zeit erworbene Muskelmasse hilft später, wenn der Bewegungsapparat zu Störungen neigt, weil die Gelenke und Knochen nicht mehr so belastbar sind. Indes: Sozialkontakte stellen das A und O für ein möglichst problemloses Altern dar. Eine gelungene soziale Integration erhöht die Lebensqualität und garantiert Unterstützung, wenn man sie am nötigsten braucht.
Dazu kommt die Zufuhr essentieller Stoffe. So ist es eminent wichtig, den Magnesiumspiegel auf angemessenem Niveau zu halten. Magnesium steuert die Funktion von rund 300 Enzymen im Körper, weswegen ein Mangel an diesem Spurenelement unter anderem die Muskel- und Herzfunktion beeinträchtigen und die Knochendichte herabsetzen kann.
Auch scheint es sinnvoll zu sein, regelmäßig grünen Tee zu trinken, denn der stärkt das Immunsystem und hat entzündungshemmende Wirkung. Beispielsweise kann grüner Tee die Infektiosität von Corona-Viren offenbar um bis zu 99 Prozent reduzieren.
Des Weiteren wird möglichst häufiges Dehnen empfohlen – vor allem bei sitzenden Tätigkeiten. Außerdem soll Humor das Leben verlängern, denn Lachen stabilisiert das Immunsystem auf messbare Weise. Und schließlich müssen alle, welche die Hundert erreichen wollen, unbedingt neugierig bleiben. Der Zusammenhang zwischen Neugier und Langlebigkeit ist inzwischen ebenfalls wissenschaftlich erwiesen. W.K.


