29.07.2026

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Folge 14-24 vom 05. April 2024 / Nordische Alternative / Wie Schweden nach dem Jahr 2000 aus der Rentenkrise kam / Teils umlagefinanziert, teils Aktienrente – Die Prämienrente lässt sich mit der deutschen Aktienrente nicht vergleichen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-24 vom 05. April 2024

Nordische Alternative
Wie Schweden nach dem Jahr 2000 aus der Rentenkrise kam
Teils umlagefinanziert, teils Aktienrente – Die Prämienrente lässt sich mit der deutschen Aktienrente nicht vergleichen

Vielen gilt Schweden als Vorbild für eine solide Altersversorgung, die teils auf einer umlagefinanzierten Rente und teils auf einer Aktienrente basiert. Das war freilich nicht immer so. Um die Jahrtausendwende hatte das schwedische Rentensystem gravierende Finanzierungsprobleme. „Die Lage war sehr schwierig“, erinnert sich Richard Gröttheim, ehemaliges Direktoriumsmitglied der schwedischen Zentralbank und später Vorstandschef des Staatsfonds AP7. Seither ruhe das staatliche Rentensystem auf zwei Säulen: Auf einer Grundrente, die – wie in Deutschland – als Umlagesystem konzipiert sei, und einer kapitalbildenden  Prämienrente.

Das Prinzip ist einfach: 16 Prozent der Bruttolöhne fließen in den Umlagetopf, daraus werden die aktuellen Rentner bezahlt. Und 2,5 Prozent werden in eine verpflichtende Prämienrente investiert, mit deren Hilfe sich die Erwerbstätigen ihre individuelle, kapitalgedeckte Aktienrente aufbauen. Wer sich nicht für einen der zahlreichen zugelassenen Fonds entscheiden will oder kann, dessen Beiträge fließen automatisch in den Staatsfonds AP7. Insgesamt zahlen also die schwedischen Arbeitnehmer mit 18,5 Prozent (16 plus 2,5) fast ebenso hohe Rentenbeiträge wie die Deutschen.

Wer freilich das deutsche Generationenkapital als eine Variante des schwedischen Systems bezeichnet, vergleicht Äpfel mit Birnen. Denn erstens wurde die Aktienrente in dem skandinavischen Land schon zur Jahrtausendwende eingeführt. Deutschland folgt mit fast einem Vierteljahrhundert Verspätung, obwohl längst bekannt ist, dass die Zahl der Beitragszahler deutlich sinken wird, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ab 2025 sukzessive in den Ruhestand gehen. Deshalb werden die Rentenbeiträge hierzulande in den nächsten Jahren zunächst einmal signifikant steigen, bevor dann – wenn überhaupt – die Entlastung durch die Aktienrente einsetzt. 

Zweitens wird die schwedische Prämienrente nicht mit Schulden finanziert, sondern aus den Beiträgen der Arbeitnehmer, die von der Rendite direkt profitieren. Die deutsche Aktienrente hingegen soll die staatliche Rentenkasse entlasten. Rentner und Beitragszahler profitieren somit allenfalls indirekt durch etwas mehr Stabilität und perspektivisch weniger stark steigende Beiträge – sofern die Rechnung der Bundesregierung aufgeht. 

Aber auch in Schweden ist nicht alles Gold, was glänzt. In einem schlechten Börsenjahr wie zuletzt 2022 fällt die Prämienrente geringer aus. Allerdings halten sich die Einbußen dann in Grenzen, da die Aktienrente nur etwa ein Sechstel der gesamten Altersbezüge ausmacht. M.B.