Der Goldpreis bewegt sich im Moment nur in eine Richtung, nämlich nach oben. Allein seit Anfang Februar betrug das Plus gut zehn Prozent. Das ist extrem ungewöhnlich, da hohe Zinsen, wie sie derzeit winken, eigentlich als „Feind des Goldes“ gelten, denn das Halten von physischem Gold wird in Hochzinsphasen unattraktiv. Und genauso war es auch, als im Juli 2022 der Zinsanstieg einsetzte: Kurz darauf fiel der Goldpreis auf rund 1500 Euro pro Feinunze. Jetzt liegt er bei über 2000 Euro, obwohl die Zinsen noch weit höher sind. Das resultiert aus vier Gründen.
Zum Ersten spekulieren viele Anleger darauf, dass die großen Notenbanken wie die Federal Reserve in den USA und die Europäische Zentralbank im Verlaufe diesen Jahres die Zinsen wieder deutlich senken, da die Inflation zurückgegangen ist. Dann könnte der Goldpreis noch stärker steigen, weshalb es ratsam erscheint, jetzt zu kaufen.
Zum Zweiten erwerben die Zentralbanken momentan selbst viel Gold, was den Preis konstant hoch hält. Laut dem Branchenverband World Gold Council kauften die Geldinstitute 2023 rund 1037 Tonnen mehr Gold, als sie veräußerten. Und im Januar diesen Jahres kamen bereits wieder 39 Tonnen hinzu. An erster Stelle stand die türkische Zentralbank mit zwölf Tonnen, gefolgt von der chinesischen mit zehn Tonnen und der indischen mit neun Tonnen.
Zum Dritten resultiert der hohe Goldpreis auch aus der anhaltend starken Nachfrage nach dem Edelmetall in fast aller Welt. Die beiden Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen heizten die privaten Goldkäufe an, da Gold den Ruf genießt, in politisch und wirtschaftlich unruhigen Zeiten ein sicherer Hafen zu sein. Allerdings verfielen die deutschen Anleger zumeist nicht in diesen krisenbedingten „Goldrausch“. Vielmehr kam es hierzulande im Laufe des Jahres 2023 zu einem Rückgang der Investitionen in Gold. Die Deutschen standen also eher auf der Verkäufer- als der Käuferseite. Viele hatten 2022 zu relativ günstigen Preisen Gold erworben und stießen es nun nach dem obligaten Jahr Wartezeit, durch das keine Steuern auf die Kursgewinne anfallen, zum deutlich höheren Preis ab.
Und zum Vierten grassiert unter den Anlegern angesichts der starken Steigerungen beim Goldpreis die Angst vor einem Verlust zukünftiger Gewinne im Falle des Verzichts auf den Kauf von Gold. Dabei ist derzeit aber vollkommen unklar, was das Edelmetall künftig kosten wird, denn die Experten liefern hierzu drei ganz unterschiedliche Szenarien.
Laut den Prognosen der Analysten etlicher Großbanken könnte der Goldpreis 2024 bis auf rund 2300 Euro pro Feinunze steigen. Dagegen erwartet Thu Lan Nguyen von der Commerzbank keine weitere Aufwärtsbewegung, sondern Stagnation. Fachleute wie Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg warnen vor einer schwachen Konjunkturentwicklung rund um den Globus, welche unter anderem den Kauf von Goldschmuck in Asien bremse und sich damit negativ auf den Goldpreis auswirke.


