Wie der Deutsche Ethikrat ist auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) keine unabhängige Institution, denn sie wird nach eigenen Angaben „zu etwa drei Vierteln … mit öffentlichen Mitteln von Bund und Ländern gefördert“. Darüber hinaus agiert sie im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), dessen „Nationale Ernährungsstrategie“ auf den DGE-Empfehlungen basiert.
Die praktische Folge dieser Symbiose ist, dass die „Standards“ der DGE in Betriebskantinen, Mensen, Schulen, Kitas und Krankenhäusern, in denen täglich Millionen von Menschen essen, umgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund sollte die DGE keine ideologisch motivierten Empfehlungen abgeben. Allerdings geschieht momentan genau das, wie die unlängst verkündeten Vorgaben unter dem schlichten Titel „Gut essen und trinken“ zeigen. Die Vorgaben basieren auf einem „neu entwickelten mathematischen Optimierungsmodell“, welches nicht nur die „Zieldimension“ Gesundheit und die landesüblichen Verzehrgewohnheiten berücksichtigt, sondern auch „mehrere Dimensionen der Umwelt wie Treibhausgasemissionen und Landnutzung“, was natürlich ganz im Sinne des grün geführten BMEL liegt und zu entsprechenden Änderungen der bisherigen Empfehlungen führte.
So sollen sich die Deutschen nach dem Willen der DGE künftig vorwiegend pflanzlich ernähren. Das bedeutet, täglich nur noch zwei statt drei Portionen Milch oder Milchprodukte zu konsumieren. Ebenso soll der Verzehr von Fleisch und Wurst laut DGE von bisher 600 Gramm pro Woche auf 300 Gramm zurückgehen. Darüber hinaus ist lediglich noch ein Ei in der Woche statthaft. Gleichzeitig wird der Bevölkerung hierzulande nahegelegt, 300 Gramm Getreide pro Tag und reichlich Hülsenfrüchte und Nüsse zu sich zu nehmen – neben den schon seit Längeren obligaten fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag. Diese Richtlinien stießen allerdings sofort auf Kritik seitens der Deutschen Akademie für Präventivmedizin (DAPM).
Die Akademie schrieb in einer Pressemitteilung, 300 Gramm Getreideprodukte hätten denselben Einfluss auf den Blutzucker wie 50 Teelöffel Zucker. Daraus zog der DAPM-Vizepräsident und -Fortbildungsbeauftragte Johannes Scholl den Schluss: „Für über 30 Millionen Menschen sind diese Empfehlungen gesundheitsgefährdend … Betroffen sind alle, die übergewichtig sind, auf Diabetes zusteuern oder schon daran erkrankt sind.“
Ebenso meinte die DAPM, es sei „völlig unklar“, ob der reduzierte Konsum von Milchprodukten in irgendeiner Weise dazu beitrage, den Klimawandel zu stoppen. Zudem drohe bei der empfohlenen fleischarmen Ernährung eine Mangelversorgung des Körpers, denn die Bioverfügbarkeit essentieller Nährstoffe liege bei pflanzlicher Kost niedriger – sprich, der Darm nehme weniger davon auf.
Außerdem stellte die DAPM klar: „Der Verzicht auf Eier ist aus ernährungsmedizinischer Sicht völlig unsinnig!“ Dies liege daran, dass die Leber bei verminderter Cholesterinaufnahme spontan mehr körpereigenes Cholesterin produziere. W.K.


