30.07.2026

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Folge 14-24 vom 05. April 2024 / Für Sie gelesen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-24 vom 05. April 2024

Für Sie gelesen

Vergessener Schriftsteller

Josef Wiener-Braunsberg war in den 1920er Jahren ein stadtbekannter Schriftsteller und Redakteur in Berlin. Als Chefredakteur der Zeitschrift „ULK“ hatte er sich mit humorvollen Reimen auf das politische Leben einen Namen gemacht. Vor allem setzte er sich humoristisch mit dem zunehmenden Antisemitismus auseinander.

Die PAZ-Autorin Bettina Müller war bei Recherchen über die ostpreußische Stadt Braunsberg auf den ungewöhnlichen Namen des jüdischen Schriftstellers gestoßen. Da Wiener-Braunsberg bereits nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit geraten war, gestaltete sich die Recherche mühsam. Bekannt ist, dass der Sohn des aus dem schlesischen Löwenberg stammenden Arztes Wilhelm Robert Wiener und der Tochter eines westpreußischen Gutsverwalters 1866 in Braunsberg geboren wurde. Schon in Berlin lebend, fügte er seinem Nachnamen den Namen seines Geburtsorts an. Trotz seiner umfangreichen Redakteurstätigkeit gelang es Wiener-Braunsberg zwei Romane zu verfassen. Die „Venus von der Tauentzien“, 1923 im skandalumwitterten Kurt-Ehrlich-Verlag erschienen, wurde sein größter Erfolg. Wiener-Braunsberg, der 1928 starb, wurde posthum noch vom NS-Regime verschmäht.  MRK

Bettina Müller: „Josef Wiener-Braunsberg. Redakteur und Schriftsteller. Ein Leben für den Ulk“, Jüdische Miniaturen, Hentrich & Hentrich Verlag, Leipzig 2024, broschiert, 89 Seiten, 9,90 Euro





Energie und Kosmos

Maja Nielsen legt seit Jahren erfolgreich Kinder- und Jugendbücher vor, die sich um die deutsche Geschichte drehen. Nach Themen rund um den Ersten Weltkrieg und der Novemberrevolution befasst sie sich in „Der Tunnelbauer“ mit der deutschen Teilung, als viele Menschen aus der abgeriegelten DDR fliehen wollten. Es beginnt spannend. Ein 18-jähriger Mann mit falschem Pass tritt nach dem Bau der Berliner Mauer im Dezember 1961 an den Grenzübergang in der Friedrichstraße heran. Alles, was nötig zu wissen ist, hat ihm sein Fluchthelfer mitgeteilt. Achim, so der Protagonist, geht gedanklich jedes Detail noch einmal durch. Er hat große Angst. Angekommen im Westen, gräbt Achim mit anderen Helfern Tunnel, um auch seine Freundin endlich wieder bei sich zu haben. 

Angelehnt an wahre Geschehnisse schrieb die Autorin diesen packenden Roman, der auf die Erlebnisse Joachim Neumanns zurückgeht, der Anfang der 1960er Jahre aus der DDR floh und an den Tunnelbauten maßgeblich beteiligt war. Viele weiterführende Informationen am Ende komplettieren das Buch. Silvia Friedrich

Maja Nielsen: „Der Tunnelbauer“, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2023, gebunden, 192 Seiten, 14 Euro