Zur Europawahl am 9. Juli wurden 35 Listen zugelassen. Das Wahlalter wurde auf 16 Jahre gesenkt. Wählen dürfen ab diesem Mindestalter nicht nur Deutsche, sondern auch Angehörige anderer EU-Mitgliedstaaten, die sich in Deutschland aufhalten. Das Europawahlgesetz schreibt ausdrücklich vor, dass das Wahlrecht nur einmal und nur persönlich ausgeübt werden darf. 96 Abgeordnete werden aus Deutschland nach Straßburg entsandt.
Die EU-Wahl ist vor allem für kleinere Parteien interessant, da es keine Sperrklausel gibt und 0,5 Prozent ausreichen, um in den Genuss der Parteienfinanzierung zu kommen. Zudem sind die Voraussetzungen für einen Wahlantritt deutlich geringer als bei der Bundestagswahl. Jahrelang waren die Europawahlen daher oft ein Stelldichein rechter Listen, die um die Vorherrschaft im nonkonformen Lager buhlten. Durch Aufstieg und Etablierung der AfD hat sich dies ein wenig geändert. Lediglich die neugegründete Partei „Bündnis Deutschland“ tritt als „Alternative zur Alternative“ im konservativen Spektrum an. Spitzenkandidat ist der bisherige EU-Abgeordnete Lars-Patrick Berg, der 2019 noch für die AfD angetreten war.
Am äußersten rechten Rand kandidiert die NPD-Nachfolgepartei „Die Heimat“ erstmals unter ihrem neuen Namen. Ihr Frontmann ist ein alter Bekannter. Der langjährige Parteivorsitzende Udo Voigt will es noch einmal wissen. Er saß bereits von 2014 bis 2019 im Europaparlament.
Zum ersten Mal bei einer Wahl dabei sind das neu gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und der Zusammenschluss sogenannter Klimaaktivisten namens „Letzte Generation“. BSW-Spitzenkandidat Fabio De Masi war schon einmal Abgeordneter in Straßburg sowie von 2017 bis 2021 Mitglied des Bundestags. Er wurde als Finanzaufklärer der Linkspartei unter anderem im Zuge des Cum-Ex-Skandals bekannt. Mit dem Oberbürgermeister Frankfurts an der Oder von 2014 bis 2020, Thomas Geisel, tritt auch auf dem zweiten Listenplatz ein prominenter Kandidat an.
Neben dem BSW rechnen sich vor allem die Freien Wähler gute Chancen aus. Bisher haben sie zwei Sitze in Straßburg. Parteichef Hubert Aiwanger hat eine Verdoppelung als Ziel ausgegeben. Ulrike Müller, 2019 als Spitzenkandidatin ins Europaparlament eingezogen, sitzt mittlerweile auch im bayerischen Landtag und wird nicht mehr antreten. Listenpatz 1 hat diesmal die Landesbäuerin der Landfrauengruppe des Bayerischen Bauernverbands Christine Singer. Nach dem Europaabgeordneten Engin Eroglu auf Platz 2 kandidiert der rheinland-pfälzische Fraktionsvorsitzende und ehemalige Eifel-Landrat Joachim Streit auf dem dritten Listenplatz.
Auch die Ökologisch-Demokratische Partei (ödp), die Satire-Formation „Die Partei“ und die EU-freundliche Volt-Bewegung wollen ihre Sitze verteidigen. Für mit der türkischen Regierung sympathisierenden Wahlberechtigte mit Immigrationshintergrund sind die Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch (DAVA) und das Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit(BIG) eine Option.


