28.04.2026

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Folge 15-24 vom 12. April 2024 / Hochtechnologie / Indien baut seine Halbleiterindustrie aus / Die USA sehen im Subkontinent eine Alternative zu China – Europa hält sich skeptisch zurück

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 15-24 vom 12. April 2024

Hochtechnologie
Indien baut seine Halbleiterindustrie aus
Die USA sehen im Subkontinent eine Alternative zu China – Europa hält sich skeptisch zurück
Wolfgang Kaufmann

Im Jahr 2021 kündigte der indische Regierungschef Narendra Modi eine „Halbleiter-Offensive“ seines Landes an. Den Worten folgten Taten. Am 13. März nahm Modi an drei virtuellen Grundsteinlegungen für Halbleiterfabriken teil. 

Zwei der Werke in Dholera in Modis Heimatbundesstaat Gujarat und in Morigaon im Bundesstaat Assam entspringen einer Initiative des indischen Tata-Konzerns. In Dholera tritt die Powerchip-Gruppe aus Taiwan als Partner auf und in Morigaon die Test & Research India PL. Das Gesamtvolumen der Investitionen beläuft sich auf 13,3 Milliarden US-Dollar. 

Der Standort der dritten Produktionsstätte ist Sanand, das ebenfalls in Gujarat liegt. Dort errichtet die indische CG Power and Industrial Solutions Limited gemeinsam mit der Renesas Electronics K.K. aus Japan und der Stars Microelectronics PCL aus Thailand ein weiteres Werk für zehn Milliarden Dollar. Hauptpartner der drei neuen Halbleiterfirmen, die ab 2026 den Markt beliefern sollen, wird der US-Chip-Gigant Micron Technology sein, der in der Weltrangliste der Branche auf Platz 5 rangiert.

Indien setzt große Hoffnungen in seine Halbleiterindustrie und will „bis 2029 zu den Top Fünf der Chip-Ökosysteme der Welt“ gehören, so der Infrastrukturminister Ashwini Vaishnaw. Das werde den geopolitischen Einfluss seines Landes vergrößern und viele tausend Arbeitsplätze schaffen. Des Weiteren verringere Indien damit die Abhängigkeit von wirtschaftlichen Rivalen wie dem Reich der Mitte.

Derzeit stellt sich die Lage auf dem Chip-Sektor so dar, dass der Westen im Bereich der Patente führt, während Taiwan die Fertigung dominiert und China auf dem Gebiet der Montage und Prüfung den ersten Platz belegt. Sollte also die Volksrepublik China die Republik China annektieren, könnte dies schwerste Folgen für die globale Versorgung mit Halbleiterbauteilen haben. Das ist auch der Grund für das Engagement von Micron Technology.

Dahingegen verzichten europäische Unternehmen derzeit noch weitestgehend darauf, es der US-Konkurrenz gleichzutun. Ein Grund ist die Sanktionspolitik gegenüber Russland. So steht auf der EU-Sanktionsliste auch das indische Unternehmen Si2 Microsystems, das integrierte Schaltungen für die Militär- und Raumfahrtindustrie entwirft und mit dem indischen Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie sowie dem staatlich finanzierten Indian Institute of Technology Madras kooperiert, um die Herstellung von Chips mit photonischen Prozessorkernen aus Silizium voranzutreiben. Die EU wirft dem Konzern vor, seine Schaltkreise auch nach Russland zu liefern, wo sie in Waffensysteme eingebaut werden könnten.

Allerdings gibt es noch zwei weitere Gründe für die europäische Zurückhaltung bei der Kooperation mit Unternehmen der indischen Halbleiterbranche: die mangelhafte Infrastruktur im Lande, die häufig zu Stromausfällen führt, und der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, der mittlerweile auch in Indien herrscht.