Im Dienst der British Army
Im Jahre 1886 hat die britische Armee ein Problem. Ihr wichtiger Verbindungsoffizier und Oberstabsarzt Carroll in Birma benötigt dringend einen Klavierstimmer für sein wertvolles Erard-Klavier. Da man den Offizier nicht verärgern will, engagiert das Kriegsministerium den Erard-Spezialisten Edgar Drake.
Die Bitte des britischen Militärs verwundert Drake, aber als folgsamer Bürger macht er sich auf die beschwerliche Reise nach Birma. Für den weltfremden Mann eröffnet sich eine Welt voller neuer Eindrücke, die ihn überwältigen, ihm aber auch erfüllte Tage bescheren. Er schreibt seiner Frau des Öfteren seine Eindrücke über die Reise mit all ihrer Farbenpracht, neben den farblos wirkenden britischen Soldaten – bis eines Tages kein Brief mehr bei ihr ankommt.
Daniel Mansons Roman „Der Klavierstimmer ihrer Majestät“ bietet in bildreichen und poetischen Beschreibungen viel Hintergrundwissen über die Kriege in Birma, zwischen den jeweiligen Kleinstaaten und dem britischen Empire. Es nimmt den Leser staunend mit in diese Welt voller Exoten und andersartigen Landschaften.
Manson ist Schriftsteller und Assistenzprofessor für Psychiatrie an der Universität Stanford. Er erhielt für den vorliegenden Roman mehrfach Preise, der Text wird für das Theater und die Oper adaptiert.
Angela Selke
Daniel Mason: „Der Klavierstimmer Ihrer Majestät“, dtv, München 2024, Taschenbuch, 398 Seiten, 15 Euro
Klassiker der Spionage
Martin Compart gilt als deutscher „Krimipapst“. Diesen Ruf verdankt der 1954 in Witten geborene Autor seiner lebenslänglichen Beschäftigung mit dem Genre. Er war beispielsweise Herausgeber der Reihen „gelbe Krimis“ beim Ullstein-Verlag. Im Coesfelder Elsinor Verlag bringt er seit einiger Zeit in Vergessenheit geratene Klassiker des Kriminalromans neu heraus.
Der 1966 erstmals erschienene Spionagethriller „Dandy in Aspik“ von Derek Marlowe ist eine solche Rarität, welche die Wiederlektüre lohnt. Für den britischen „Guardian“ ist der Titel einer der zehn besten Erstlingsromane aller Zeiten. Compart und der Filmwissenschaftler Rolf Giesen steuern kundige Nachworte bei, die sich um den Roman und die verunglückte Verfilmung mit dem früh verstorbenen Laurence Harvey drehen.
Eine spannende Zeitreise in das Berlin und London der 1960er Jahre, geprägt vom Kalten Krieg und der Pop-Bewegung. Ansgar Lange
Derek Marlowe: „Ein Dandy in Aspik. Ein Klassiker des Spionageromans“, Elsinor Verlag, Coesfeld 2023, kartoniert, 256 Seiten, 22 Euro


