Kulturzentrum Ostpreußen
Ostpreußen Seedienst, Sonderausstellung bis 28. Juli. Die Provinz Ostpreußen wurde nach dem Ersten Weltkrieg durch die Abtretungen von Landesteilen an die Republik Polen von den restlichen deutschen Provinzen getrennt und das Gebiet zur Exklave. Auch wenn das wiederentstandene Nachbarland Polen von den Siegermächten in den Artikeln 89 und 98 des Versailler Vertrages dazu verpflichtet wurde, den ungehinderten Bahn-, Schiffs-, Post-, Telefon- und Telegrafenverkehr durch den sogenannten „Polnischen Korridor“ sicherzustellen, gestaltete sich die Durchsetzung dieser Garantie als besonders schwierig, sodass der Fokus durch die deutschen Entscheidungsträger auf den Schiffslinienverkehr gelegt wurde: Der „Seedienst Ostpreußen“ sollte in Zukunft mit seinen festen Fahrplänen und auch mit Sonderfahrten Ostpreußen mit seinem Mutterland verbinden. Neben der ursprünglichen Strecke von Swinemünde nach Pillau entwickelten sich Seewege zwischen Kiel, Lübeck (Travemünde), Swinemünde, Zoppot und Danzig bis Pillau und später nach Memel, Libau und Helsinki (Helsingfors).
Der „Seedienst Ostpreußen“ beeinflusste viele Ereignisse und Entwicklungen: Die Volksabstimmung von 1920, Handel und Messen in der Zeit der Weimarer Republik, Tourismus mit internationalen Gästen und Touristen aus dem deutschen Kernland, politische Großveranstaltungen wie die Einweihung des Tannenberg-Nationaldenkmals, die sogenannten Tannenbergfahrten und die Rettung über die Ostsee, insbesondere alter Menschen, Frauen sowie Kinder aus dem von der Roten Armee umzingelten Ostpreußen im Jahr 1945.
Die von den Alliierten angeordnete Volksabstimmung von 1920 wurde die erste große Bewährungsprobe für den noch jungen „Seedienst Ostpreußen“, da er die Abstimmungsberechtigten, welche in West- und Ostpreußen geboren wurden, und jetzt in den westlichen Provinzen Deutschlands lebten und arbeiteten, zu den Abstimmungsurnen in der Heimat beförderte. Die Aktion wurde von den deutschen Behörden im gesamten Reichsgebiet unterstützt und gefördert, sodass auch Wahlberechtigte im hohen Lebensalter an der Abstimmung teilnehmen konnten. Jung und Alt nutzten die Schiffe des Seedienstes, um rechtzeitig ihre Stimme für den Verbleib der Abstimmungsgebiete bei Deutschland abgeben zu können. Nur dadurch konnte eine hohe Beteiligung von Menschen, die für Deutschland stimmten, erreicht werden.
Bereits in den ersten Jahren konnte die Schifffahrtslinie auch für den Handel und die Messen – wie beispielsweise für die Deutsche Ostmesse in Königsberg – genutzt werden. Die erste Ostmesse wurde im September 1920 von Reichspräsident Friedrich Ebert eröffnet, der mit dem Reichswirtschaftsminister Ernst Scholz per Schiff mit dem „Seedienst Ostpreußen“ angereist war. Die Messe stärkte die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen dem Reich und Ostpreußen und ebnete gleichzeitig der deutschen Wirtschaft die Wege zu den Märkten in Osteuropa.
Um die Schiffe des „Seedienstes Ostpreußen“ besser auszulasten, wurde der Tourismus gefördert: Es wurden Angebote für Jugendliche und reisefreudige Erwachsene aus den westlichen Provinzen Deutschlands geschaffen und diese medienwirksam durch gezielte Werbung, Reiseführer, Plakate, Faltblätter und Reisekataloge beworben. Ab 1938 wurde auch eine Verbindung nach Helsinki geplant. Im Jahr 1940 sollten die Spiele der XI. Olympiade in Helsinki stattfinden (ursprünglich an Tokio vergeben, wurden sie 1938 Finnland zugesprochen). Wegen des Ausbruchs des Weltkrieges konnten die Spiele letztendlich nicht abgehalten werden.
Der Besucher wird etwas von den historischen Hintergründen sowie Anekdotisches erfahren und spannende Reisebeschreibungen sowie ausgewählte Schiffe und Reedereien des „Seedienstes Ostpreußen“ kennenlernen. Die farbenfrohen Prospekte und modern gestalteten Plakate warben für Reisen nach Ostpreußen. Besonders spannend sind die historischen Filmaufnahmen zum Stapellauf des dritten Seedienstschiffes, des Turbinen-Schnelldampfers „Tannenberg“, in Stettin und die Einfahrt der „Tannenberg“ in den Hafen von Pillau.
Gefördert wird die Ausstellung von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.
Kulturzentrum Ostpreußen, Schloßstraße 9, 91792 Ellingen /Bayern, Telefon (09141) 8644-0, E-Mail: info@kulturzentrum-ostpreussen.de, Internet: www.kulturzentrum-ostpreussen.de, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr (von April bis September)
Verein der Deutschen in Memel/Klaipėda
Die Osterfeier des Vereins der Deutschen in Memel/Klaipėda findet traditionell am Sonnabend eine Woche nach Ostern statt. Vorbereitungen beginnen immer früher. So war es auch in diesem Jahr. Bereits am 4. April war das große Eierfärben im Simon-Dach-Haus. 80 Eier wurden von den Vereinskindern für das Osterfest gefärbt. Am 6. April fand das Osterfest wie immer in der Hermann-Sudermann-Schule statt. Der Vereinsvorsitzende Arnold Piklaps las einen Tätigkeitsbericht für das Jahr 2023 vor, begleitet mit vielen Fotos aus verschiedenen Veranstaltungen, Projekten, Begegnungen. Man freute sich, an schöne gemeinsame Stunden und Ereignisse erinnert zu werden und besonders – wenn man sich auf den Fotos wiederfand. Danach sprach Pfarrer Reincholdas Moras und betonte die Bedeutung von Ostern. Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland Dr. Arūnas Baublys grüßte auch im Namen der deutschen Botschaft. Hans-Jürgen Müller übermittelte herzliche Grüße von seiner Berliner Memellandgruppe.
Da im April 1989 der erste Verein als Deutsch-Litauischer Kulturverband angemeldet wurde, feierte man 35 Jahre Vereinshistorie, so sprach Müller kurz über das vom Verein für das Deutschtum im Memelland Geleistete. Anlässlich dieses Jubiläums schenkte die Berliner Gruppe dem Verein ein Zelt und einen Gasgrill für die gemütliche Zeit im Sommer. Zu diesem Anlass waren auch Vertreter des deutschen Vereins Vilnius.
2021 wurde ein Zusammenarbeitsvertrag zwischen dem Verein der Deutschen in Klaipėda und der Stiftung für den Wiederaufbau St. Johannis Kirche unterzeichnet. Der Verein sammelt Spenden und bringt sich bei verschiedenen Aktivitäten der Stiftung ein. Auch während der Osterfeier überreichte Piklaps ein Check über 750 Euro der Direktorin der Stiftung Lilija Petraitienė, die sich herzlich dafür bedankte und mitteilte, dass der große Traum von dem Wiederaufbau der Kirche zwar langsam, aber schon konkrete Züge annimmt.
Für die musikalische Untermalung sorgte der Chor aus Heydekrug „Laudamus“ unter der Leitung von Irena Šemeklienė. Tolle Stimmen und gefühlvoll vorgetragene Osterlieder begeisterten alle Versammelten. Wir freuen uns, dass dieser Kirchenchor schon zum dritten Mal bei unseren Veranstaltungen auftrat und gute Freundschaften daraus resultieren.
Nach dem offiziellen festlichen Teil ging es heiter in der Mensa an den voll bedeckten Tischen weiter. Die Kinder suchten in dem nahe liegenden Park Ostereier. Die Freude über so viele schön gefärbte Eier war riesengroß. Die Bemühungen der Kleinen wurden mit Schokohasen und Überraschungseier belohnt. Danach gab es ein Wettbewerb im Eierrollen. Die Erwachsenen freuten sich auf das gemütliche Beisammensein mit vielen netten Gesprächen, kosteten mitgebrachten Kuchen und wie es zu Ostern üblich ist – den Eierlikör.
Es war ein tolles Fest, das noch lange in der Erinnerung bleiben wird. Rasa Miuller


