Viel Sinn für Geschichte
Zu: Fassadenrenovierung an der Königin-Luise-Kirche abgeschlossen (Nr. 13)
Lob und Dank möchte ich Ihrem Autor Jewgenij Tschernyschew aussprechen für seinen Artikel über meine Taufkirche, die Königin-Luise-Gedächtniskirche in Königsberg.
Ich freue mich zu lesen, dass die Königsberger von heute so viel Geschichtsverständnis haben, dass sie die Kirche in den Farben renoviert haben, in denen sie zu deutscher Zeit zu sehen war. Ich habe den Eindruck – auch wenn ich zum Beispiel an die nicht enden wollenden Diskussionen um das Berliner Stadtschloss denke –, dass das Geschichtsverständnis bei den neuen Bewohnern der Gebiete, die ich immer noch meine Heimat nenne, ausgeprägter ist als hier in Deutschland, so schmerzlich es auch ist, diese Aussage treffen zu müssen.
Brigitte Schüller-Kreuer, Unkel
entrechtet in Tschechien
Zu: Deutsch erhält besonderen Schutz (Nr. 13)
Die längst überfällige Aufwertung der deutschen Sprache für die in Tschechien noch ansässige deutsche Minderheit ist Grund genug, um einen Blick auf die bisher wenig beachtete Leidensgeschichte dieser – beschönigend genannt – „heimatverbliebenen“ Sudetendeutschen zu werfen. Sie wurden zwar 1945/46 nicht wie alle anderen der insgesamt etwa 3,2 Millionen Sudetendeutschen von den Tschechen vertrieben, aber gemäß der berüchtigten Benesch-Dekrete ebenso wie diese entrechtet, enteignet und zur Zwangsarbeit verpflichtet.
Hauptursache für die Zurückbehaltung im Land war ihre Unentbehrlichkeit für den Weiterbetrieb der Fabriken und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Infrastruktur. Sie galten als unbedingt notwendige Fachkräfte, wurden aber trotzdem im täglichen Leben von der tschechischen Bevölkerung diskriminiert, bekamen jahrelang Lohnabzüge, wurden innerhalb des Landes zwangsweise umgesiedelt, manchen entzog man ihre an den vormals deutschen Universitäten in Prag und Brünn erworbenen akademischen Grade, und es gab keine deutschen Schulen. Kurzum, die „heimatverbliebenen“ Sudetendeutschen waren – vor allem in den ersten Jahren – völlig rechtlos. Die tschechoslowakische Verfassung vom 9. Mai 1948 machte die Deutschen zum Urfeind der Slawen.
Es ist deshalb nicht weiter verwunderlich, dass die 1945/46 in der Tschechoslowakei zurückbehaltenen etwa 200.000 Sudetendeutschen versuchten, wenn irgend möglich dem Zwang zu entkommen, obwohl dies häufig mit Gefahren verbunden war und erhebliche Kosten und Vermögensverluste zur Folge hatte. So nahm ihre Zahl bis 1961 auf zirka 140.000 ab und reduzierte sich bis 1991 auf knapp 50.000. Derzeit werden in Tschechien, wie in dem PAZ-Beitrag vermerkt, nur noch rund 25.000 Deutsche gezählt.
Dr. Walter Kreul, Germering
ein Grüner denkt um
Zu: Sternchen auf dem Rückzug (Nr. 14)
Zwischenzeitlich hat auch der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, eingesehen, dass ein weiteres Voranpreschen in Sachen Gendersprache überwiegend auf große Reserviertheit in der Bevölkerung stößt. Die Herausforderung Künstliche Intelligenz (KI) wird teilweise skeptisch beurteilt, bei der Herausforderung künstliche (Gender-)Sprache ist es noch mehr der Fall.
Krisensituationen mit zusätzlichen Polarisierungen zu überlagern, ist selten eine gute Idee. Dazu besteht auch in der Sache kaum Anlass. In den letzten Jahren ist die Sprache auf Anforderungen an die Geschlechtergerechtigkeit durchaus eingegangen. Ein Beispiel sind öffentliche Anreden wie „liebe Bürgerinnen und Bürger“. Hier wird die weibliche Form gewissermaßen als Ausgleich vorangestellt, da nicht alle Ausdrücke feminisiert werden können, ohne eine Verballhornung der deutschen Sprache zu riskieren. Beispiel: Mannequin – Frauequin.
Es macht keinen Sinn, in schwierigen Zeiten, in denen Sprache mehr denn je zur Identifizierung und als Verständigungsmittel benötigt wird, eine Art Morsealphabet als zusätzliche Ebene in die Sprache einzubeziehen und dann in Bildungseinrichtungen einen Kulturkampf zu beschwören, ohne dass der Rat für deutsche Rechtschreibung einen offiziellen Charakter feststellen konnte, da er davon ausgeht, dass eine Mehrheit der Bevölkerung, auch von Frauen, eine zusätzliche abstrakte Zeichensprache im Alltag nicht beachten wird.
Nun hat Ministerpräsident Kretschmann bei den Grünen gewissermaßen eine Vorreiterrolle übernommen, manche Dinge mit mehr menschlichem Augenmaß zu betrachten und auf Ideologie zu verzichten. Eine Tiefenwirkung kann jedoch nur erzielt werden, wenn auch andere umstrittene Themen hiervon berührt werden und es zu einem Umdenken kommt.
Roland Grassl, Bühl
Gefährder der Demokratie
Zum Wochenrückblick: Kein Blick zurück (Nr. 14)
Danke für den hervorragenden Artikel! Der Umgang mit den vergangenen Krisen und ideologischen Zielen ist wie eine Steuer-Dauer-Einstellung auf einem Floß Wildwasser abwärts: Eine Oppositionspartei, die immer wieder Missstände in unserer politischen Führung anprangert, ist so gefürchtet, Gehör in breiter Fläche zu finden, dass sie nach Meinung anderer demokratischer Parteien bekämpft werden muss.
Wie demokratisch wäre es doch zu hinterfragen, in welchen Punkten die Kritik mit Fakten belegt und berechtigt ist. Stattdessen werden alle, die es bevorzugen, sich auch in der alternativen Richtung zu informieren, und die selber denken wollen, gleich mit bekämpft und als Gefährder der Demokratie betitelt.
Ich wäre froh, wenn es die Alternative nicht bräuchte und es Konsequenzen gäbe für gravierende Fehlentscheidungen, Steuerverschwendung und Untätigkeit sowie für schlecht gemachte Gesetze, die am Willen jeder Bürgermehrheit vorbei einfach durchgeboxt werden, anstatt neuer Schlagwörter wie „Zeitenwende“, „Doppelwumms“ ins Wählervolk zu posaunen – denn als etwas anderes komme ich mir dabei nicht vor.
Ich fühle mich einfach nicht ernst genommen, wenn ich von der Politik mehr erwarte, als dass von Politikern hauptsächlich daran gedacht und gebastelt wird, wie die nächste Wahl wieder den eigenen bequemen Sessel im Bundestag sichern kann.
Rosemarie Rau, Hannover
Wendehals Wegner
Zu: Bezirke gehen gegen Asyllager auf die Barrikaden (Nr. 14)
Bis zur Berlin-Wiederholungswahl im Februar 2023 war Kai Wegner als wertkonservativer Politiker, der sogar eine positive Einstellung zum legendären (West-) Berliner Innensenator Heinrich Lummer äußerte, bei mir wohlgelitten. Umso schockierender war für mich seine 180-Grad-Wendung nach seiner Wahl zum Regierenden Bürgermeister. Er ist zu einer Bettina Jarasch (Die Grünen) 2.0 geworden. Vor allem ist seine Asylpolitik ein absoluter Totalausfall. Anstatt mit einer Einladung an die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen und ihren Migrationsminister nach Berlin klare Kante zu zeigen, geriert er sich als verlängerter Arm der sogenannten „Seenotrettung“.
Er düpiert sogar seine eigenen Parteifreunde. Die türkischstämmige Reinickendorfer Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner wirft ihm vor, wenn auch verklausuliert, dem Wirtschaftsstandort Reinickendorf mit seiner Asylpolitik schweren Schaden zuzufügen.
Carsten Zöllner, Berlin


